Sind Ihre Baumethoden umweltfreundlich? Warum Sie jetzt damit anfangen sollten

Die Baubranche ist für einen wesentlichen Prozentsatz der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, weshalb Bauunternehmer zu nachhaltigeren Strategien übergehen müssen
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Da sich immer mehr Unternehmen auf ökologische Nachhaltigkeit konzentrieren, werden „grüne“ Baumethoden immer beliebter.

Tatsächlich, so Stefanie Young, Vizepräsident für Kundenlösungen beim U.S. Green Building Council (USGBC), war Nachhaltigkeit im Baugewerbe noch nie so wichtig wie heute.

„Gebäude sind für fast 40 % der weltweit energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich“, sagt Young. Änderungen der Gesetzgebung und der gängigen Baupraktiken werden eine entscheidende Rolle dabei spielen, Ländern, Regionen und Gemeinden bei der Erreichung der Klimaschutzziele zu helfen. „Ohne die Unterstützung des Bausektors können wir keine nennenswerten Fortschritte beim Klimawandel erzielen“, betont Young.

Was macht ein Gebäude nachhaltig?

Für Young beginnen umweltfreundliche Baupläne mit einem Schwerpunkt auf der Benutzererfahrung. „Bei Gebäuden geht es letztlich um Menschen“, sagt Young. „Wir alle verbringen etwa 90 % unserer Zeit in geschlossenen Räumen und grüne Gebäude schaffen Bereiche, die unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden fördern.“

Das LEED-Bewertungssystem (Leadership in Energy and Environmental Design) des USGBC berücksichtigt, dass die menschliche Erfahrung bei der Planung eines grünen Gebäudes von zentraler Bedeutung ist. Dazu gehört die Priorisierung von Aspekten wie Tageslicht und Aussicht, akustische Qualitäten eines Raumes, natürliche Belüftung, thermischer Komfort, Prüfung und Steuerung der Luftqualität und Ergonomie.

Dieser Schwerpunkt auf der Benutzererfahrung erstreckt sich auch auf das Leben der Bewohner, wenn sie das Gebäude verlassen. Dabei werden Merkmale wie Begehbarkeit, Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Grünflächen vor Ort einbezogen.

„LEED verfolgt beim grünen Bauen einen ganzheitlichen Ansatz und berücksichtigt alle Aspekte eines Gebäudes oder einer Fläche“, erläutert Young. „Dies ist von entscheidender Bedeutung, denn selbst wenn Sie sich auf die Reduzierung des Energieverbrauchs konzentrieren, könnten Sie immer noch einen hohen Wasserverbrauch haben oder eine Menge Abfall produzieren. Stattdessen unterstützt LEED die Projektteams dabei, das große Ganze zu sehen und zu verstehen, wie Entscheidungen getroffen werden können, die die Nachhaltigkeit des Raumes insgesamt verbessern.“

Das System ist ganzheitlich organisiert und gibt den Bau- und Planungsteams „Strategien für den Umgang mit Energie, Wasser, Abfall, Kohlenstoff, Materialien und Ressourcen sowie der Gesundheit und Zufriedenheit der Bewohner an die Hand“, so Young.

LEED und Nachhaltigkeit

Seit seiner Entwicklung vor 20 Jahren hat sich das LEED-Modell als eines der beliebtesten Umweltbewertungssysteme in allen Branchen weltweit etabliert und zählt mittlerweile mehr als 100.000 qualifizierte Projekte in 176 Ländern und Gebieten.

„LEED-Gebäude haben viele ökologische Vorteile“, führt Young aus. „Sie tragen dazu bei, Kohlenstoffemissionen und Abfall zu reduzieren, den Energie- und Wasserverbrauch zu senken, die Luftqualität in Innenräumen zu verbessern, alternative Verkehrsmittel zu fördern und Zugang zu Tageslicht und Außenbereichen zu bieten.“

Darüber hinaus ist es nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll, umweltfreundlich zu bauen.

„Für LEED-Gebäude gibt es auch starke wirtschaftliche Argumente“, fügt Young hinzu. „LEED hilft Investoren, ihre ökologischen und sozialen Governance-Ziele zu erreichen, indem es ihnen einen Rahmenplan für grünes Bauen bietet. Gebäudeeigentümer und -verwalter verzeichnen auch kürzere Amortisationszeiten und eine Steigerung des Anlagewertes als Folge von Investitionen in grünes Bauen. Aus der Sicht eines Gebäudeverwalters tragen LEED-Gebäude zur Senkung der laufenden Kosten bei.“

Eine Umfrage zu LEED-zertifizierten Gebäuden hat ergeben, dass zertifizierte Räumlichkeiten im Vergleich zu den Kosten, die mit konventionell gebauten Strukturen verbunden sind, schätzungsweise 1,2 Milliarden Dollar an Energiekosten, 149,5 Millionen Dollar an Wasserkosten, 715,3 Millionen Dollar an Wartungskosten und 54,2 Millionen Dollar an Abfallkosten eingespart haben.

Kleine Veränderungen für den Anfang

Der Bau eines LEED-zertifizierten Projekts kann auf den ersten Blick abschreckend erscheinen, doch laut Young ist es wichtig, klein anzufangen. „Für Baufirmen ergeben sich große Chancen, wenn sie Bemühungen im Bereich des grünen Bauens unterstützen“, führt Young an.

Die korrekte Entsorgung von Bauabfällen ist eine hervorragende Möglichkeit, nachhaltige Praktiken in die tägliche Arbeit eines Bauunternehmens zu integrieren. „Durch die Reduzierung des anfallenden Abfalls und die Suche nach Möglichkeiten zur erneuten Verwendung und zum Recycling von Schutt können Bauunternehmen zur allgemeinen Nachhaltigkeit eines Projekts beitragen“, führt Young aus. „Nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation werden 10–15 % der Baumaterialien während eines Bauprozesses verschwendet, weshalb Unternehmen in dieser Phase eines Projekts gute Möglichkeiten haben, Führungsstärke zu zeigen.“

Die Reduzierung des beim Bauprozess anfallenden Abfalls kann einen erheblichen Einfluss auf das Gesamtbild haben und dazu beitragen, die Kohlenstoff- und Umweltauswirkungen der während des gesamten Lebenszyklus des Gebäudes verwendeten Baumaterialien zu verringern.

Der USGBC ermutigt konventionellere Bauunternehmen dazu, nachhaltige Praktiken einzuführen.

„Wir sind uns bewusst, dass zunächst nicht jede Räumlichkeit eine LEED-Zertifizierung erhalten kann, aber bei jedem Projekt können die Fortschritte gemessen und überwacht werden“, so Young. „Wir legen großen Wert auf das Leistungsziel, weshalb wir LEED v4.1 powered by Arc eingeführt haben. Arc ist eine Online-Plattform, die die Nachverfolgung und den Vergleich der Leistung im Bereich Nachhaltigkeit unterstützt. Das ist wirklich wichtig und eine der besten Möglichkeiten, wie Gebäude ihre Auswirkungen verwalten können.“

Young hofft, dass die von der Plattform nachverfolgten nachhaltigen Veränderungen, die an einem Bauprojekt vorgenommen wurden, Architekten und Projektmanagern dabei helfen werden, die erheblichen Auswirkungen zu verstehen, die Entscheidungen für nachhaltige Pläne langfristig auf die Umwelt haben können.

Für Young muss grünes Bauen nicht überwältigend sein. Selbst kleine Veränderungen hin zu umweltfreundlicheren Praktiken können große Auswirkungen haben.

„Das Wichtigste, was Bauteams erkennen müssen, ist, dass es für jedes Projekt einen Einstiegspunkt für grünes Bauen gibt“, betont Young. „Wir vom USGBC sind der Überzeugung, dass Gebäude unsere Lebensqualität verändern können. Grünes Bauen ist im Laufe der Jahre immer beliebter geworden, weil sich unsere Gebäude auf die Menschen, den Planeten und den Gewinn auswirken – drei Bereiche, in denen Bilanz gezogen werden muss. Es gab also wirklich nie einen besseren Zeitpunkt, um mit der Einführung einer Green-Building-Strategie zu beginnen.“