Die Pandemie hat den digitalen Wandel beschleunigt – lassen Sie uns diese Dynamik beibehalten!

Während der COVID-19-Pandemie hat die Baubranche neue Wege finden müssen, um den Informationsfluss aufrechtzuerhalten, der für erfolgreiche Projekte entscheidend ist. Gemeinsam mit dem Building Magazine hat Bluebeam eine Diskussionsrunde zu den Lehren veranstaltet, die die Baubranche aus der COVID-19-Krise ziehen konnte.
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Zusammenarbeit spielt im Baugewerbe eine ungeheuer wichtige Rolle. Während der COVID-19-Pandemie hat die Baubranche neue Wege finden müssen, um den Informationsfluss aufrechtzuerhalten, der für erfolgreiche Projekte entscheidend ist.

Als Technologiepartner der Baubranche hat Bluebeam die Chance genutzt, eine Bestandsaufnahme der Veränderungen zu machen, die in der Baupraxis stattgefunden haben. Gemeinsam mit dem Building Magazine hat Bluebeam eine Diskussionsrunde zu den Lehren veranstaltet, die die Baubranche aus der COVID-19-Krise ziehen konnte.

Zahlreiche britische Bauexperten wurden zu der Runde eingeladen, darunter Führungskräfte aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie größeren Generalunternehmen, Vertreter des Chartered Institute of Building (CIOB) und weitere Fachkräfte aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen und Bauindustrie. 

Die Teilnehmer:

  • James Chambers – Regional Director UKI, Bluebeam
  • Todd Wynne – VP Strategy and Partnerships, Bluebeam
  • Paul McNerney – Director of UK Building, Laing O’Rourke
  • Will Waller – Director und Build-to-Rent Market Leader, Arcadis
  • Anne-Marie Friel – Partner Infrastructure, Pinsent Masons
  • Nelly Twumasi-Mensah – Business Projects and Change Lead, Faithful + Gould
  • Nick Cole – Director, Robert Bird Group
  • Mark Beard – President, CIOB
  • Dr. Oliver Jones – Director of Research, Ryder Architecture

Moderator: Thomas Lane – Group Technical Editor, Building Magazine

Wertschätzung von Investitionen in digitale Technologien

Viele der Diskussionsteilnehmer waren der Ansicht, dass sie bereits über die nötige Infrastruktur für virtuelles Arbeiten verfügten. Unternehmen, die den digitalen Wandel noch nicht vollzogen hatten, mussten diese Transformation beschleunigen.

„Unsere Tools und Systeme für digitale Zusammenarbeit waren schon recht etabliert, als wir von der Pandemie getroffen wurden. Als globales Unternehmen ist flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten tief in unserer Unternehmenskultur verankert. Unsere Mitarbeiter, die mit anderen Standorten zusammenarbeiten, sind bereits an den digitalen Informationsfluss gewöhnt.“

Will Waller

Auf die Bedeutung einer ausgeprägten Unternehmenskultur wurde an verschiedenen Stellen hingewiesen.

„Uns hat es erstaunt, wie wichtig die Vernetzung innerhalb des Unternehmens ist. Unsere Führungskräfte haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit unseren Mitarbeiten in Verbindung zu bleiben: Sie führen wöchentliche Umfragen durch und organisieren kleinere Gruppensitzungen – all das ist ungeheuer wichtig.“

Anne-Marie Friel

Es nicht damit getan, die digitalen Werkzeuge und Prozesse zur Verfügung zu stellen, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen. Menschliche Bemühungen sind zusätzlich erforderlich, um die Arbeitsmoral hochzuhalten und die Unternehmenskultur in Phasen des Umbruchs zu stärken.

Der Glaube an eine digitale Zukunft

Die Experten führten außerdem an, dass einige Mitarbeiter nicht von den in den jeweiligen Unternehmen genutzten Technologien überzeugt waren. Mitarbeiter, die bisher eher eine Vermeidungshaltung gegenüber neuen Technologien eingenommen hatten, mussten sich schnell auf den neuesten Stand bringen, um ihre Projekte weiterführen zu können.

„Nicht alle Mitarbeiter haben diese frei verfügbaren Systeme vorher genutzt. Aber auf einmal haben Tausende endlich realisiert, dass es sinnvoll ist, ein bestimmtes Tool zu verwenden, das schon seit Jahren zur Verfügung steht.“

Nelly Twumasi-Mensah

Für einige Unternehmen bot sich die Möglichkeit, digitale Prozesse zu vereinfachen, auf weniger technisch versierte Mitarbeiter einzugehen und die Zusammenarbeit mit externen Partnern zu verbessern.

Neugestaltung von Meetings in der virtuellen Welt

Die Umstellung auf digitale Kommunikation erfordert mehr als die Installation einer App. Produktive Meetings und Gespräche sollten unbedingt sorgfältig geplant werden.

„Auch wenn die digitale Infrastruktur zur Verfügung steht, bedeutet dies nicht, dass die Zusammenarbeit in Teams sofort reibungslos funktioniert. Wir haben gelernt, dass es neben der Technologie auch auf die richtigen Prozesse ankommt, damit auf digitalem Weg effektiv miteinander kommuniziert und der Teamgeist gefördert wird.“

Nelly Twumasi-Mensah

Was den meisten Diskussionsteilnehmern bei der digitalen Kommunikation gefehlt hat, waren nonverbale Signale.

Virtuelle Meetings sind einfach ermüdender. Ich denke, das liegt daran, dass ein Großteil der Körpersprache verloren geht – etwa 70 % der Kommunikation erfolgt aber nun einmal durch nonverbale Gesten.“

Will Waller

Anne-Marie Friel hat festgestellt, dass gewisse rechtliche Verfahren nicht so effektiv durchgeführt werden können, wenn sie ohne persönlichen Kontakt ablaufen.

Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand dafür entscheiden würde, Baurechtsklagen virtuell abzuwickeln. Mediationen virtuell durchzuführen, ist äußerst schwierig – viele Vorteile persönlicher Interaktion gehen dabei verloren.“

Anne-Marie Friel

Begegnungen außerhalb von Meetings

Alle Diskussionsteilnehmer haben den Wegfall zufälliger Begegnungen und zwangloser Unterhaltungen zwischen den Teammitgliedern als negativ wahrgenommen. Auch die Spontanität fehlt – jedes Meeting muss im Voraus geplant werden.

Die Arbeit im Homeoffice bietet weniger Gelegenheiten, sich zwischen Projekten miteinander auszutauschen. Die Kommunikation über unsere unternehmensintern genutzten Social-Media-Kanäle wurde schnell unübersichtlich und chaotisch. Wir brauchten Strukturen, um produktivere Gespräche zu ermöglichen.“

Oliver Jacob

Allerdings müssen Teams wohl weiterhin mit der digitalen Kommunikation zurechtkommen, da sich persönliche Unterhaltungen noch für längere Zeit schwierig gestalten werden.

Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben

Durch das Arbeiten im Homeoffice geht weniger Zeit für das Pendeln sowie für Dienstfahrten verloren. Alle Teilnehmer der Diskussionsrunde stimmen darin überein, dass sie nicht wieder alles persönlich abwickeln wollen.

Wir haben festgestellt, dass ein Großteil des Teams ortsunabhängig und digital arbeiten kann und nicht fünf Tage die Woche vor Ort auf der Baustelle sein muss, was eine ganze Reihe an Einsparungen und Effizienzsteigerungen mit sich bringt. Dadurch wird eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben gewährleistet. Es wäre ein Rückschritt, zu anderen Arbeitsweisen zurückzukehren.“

Paul McNerney

Oft gelingt das Abschalten von der Arbeit jedoch nur schwer, wenn Berufs- und Privatleben nicht mehr räumlich voneinander getrennt sind. Für Menschen wie Anne-Marie Friel war es schwer, eine nachhaltige Work-Life-Balance zu finden.

„Es liegt in der Natur juristischer Arbeit, dass man viel am Schreibtisch sitzt. In der ersten Woche des Lockdowns habe ich 95 Stunden von meinem Schlafzimmer aus gearbeitet. Ich habe mich kaum vom Laptop entfernt, da es um den Abschluss eines wichtigen Vertrages ging. Je nach der individuellen Situation eines Mitarbeiters müssen wir unzählige Faktoren berücksichtigen.“

Anne-Marie Friel

Wie finden wir die Balance zwischen genügend Flexibilität und Immer-zur-Verfügung-stehen? Mark Beard glaubt an einen gemischten Ansatz.

„Ich denke, es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden. Idealerweise arbeiten die Mitarbeiter effektiv von Zuhause aus und verbringen gleichzeitig genügend Zeit im Büro, damit sie das Gefühl haben, zu einem Team zu gehören, anstatt zu einer Gruppe zusammenarbeitender Individuen.“

Mark Beard

Widerstandsfähige Lieferketten sind entscheidend

Unterbrechungen in der Lieferkette bereiten den Auftragnehmern am meisten Kopfzerbrechen. Selbst wenn die notwendigen digitalen Technologien zur Verfügung stehen, entsteht ein unüberwindbares Hindernis, wenn Materialien fehlen, musste Mark Beard feststellen.

Als Auftragnehmer haben wir im Laufe der Pandemie gelernt, dass manche unserer Lieferketten durch die Integration von Verträgen den gesamten Prozess aufhalten können. Das gilt sogar für einige relativ günstige Komponenten, weil man sie nicht in alle Teile der Welt versenden kann.“

Mark Beard

Auch wenn es keine einfache Lösung dafür gibt, besteht die wichtigste Schlussfolgerung unserer Diskussionsteilnehmer darin, dass Lieferketten solchen Schocks in Zukunft standhalten müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Arbeit zum Erliegen kommt.

Experimente fördern die Einführung neuer Technologien

Wenn Unternehmen die Möglichkeit haben, zunächst zu experimentieren, können sie ihre Arbeitsweisen schnell verändern. Eine Sache, die Nelly Twumasi-Mensah auch nach der Pandemie für wichtig hält, ist das Ausprobieren verschiedener Tools und Prozesse, um herauszufinden, welche am besten geeignet sind.

Auch in Zukunft sollten wir weiterhin experimentieren und ein Tool einfach für drei Wochen ausprobieren und anschließend zum nächsten übergehen, wenn es nicht gut funktioniert hat. Mittlerweile scheint dieser Prozess ganz normal, weil wir ihn schon mehrmals durchlaufen haben.“

Nelly Twumasi-Mensah

Die Einführung digitaler Werkzeuge gelingt vor allem in Unternehmen, in denen es möglich ist, neue Technologien vorab zu testen. 

„Die Mitarbeiter brauchen den Freiraum, etwas Neues zu entdecken und damit zu experimentieren – ohne Angst vor dem Scheitern. Erst dann stehen die Mitarbeiter wirklich hinter der Umstellung und können sich ganz darauf einlassen.“

Nelly Twumasi-Mensah

Der nächste Schritt: Standardisierung

Insgesamt hatte die Beschleunigung der digitalen Transformation positive Auswirkungen auf Bauunternehmen. In der Standardisierung scheint die nächste Herausforderung zu liegen.

Für uns als Einzelpersonen, Unternehmen und Technologiehersteller besteht der nächste Schritt darin, über Standardisierung im Sinne von offenen Formaten nachzudenken. Wie lassen sich digitale Technologien in die Zusammenarbeit mit Dritten und Subunternehmen integrieren?“

James Chambers

Unterschiedliche Digitalisierungsniveaus in den Unternehmen machen das Ganze noch komplexer. Haben Kunden oder Lieferanten noch nicht mit der digitalen Transformation begonnen, dann wirkt sich das auf die Zusammenarbeit aus. Es besteht eindeutig die Notwendigkeit, diese Partner dazu zu ermutigen, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und andere Kommunikationskanäle zu nutzen.

Beihalten der Dynamik

Worauf sollten wir den Fokus legen, wenn wir aus den Erfahrungen dieser Zeit lernen wollen? Die Diskussionsteilnehmer stimmten überein, dass sich die Branche darauf konzentrieren sollte, Technologien zu entwickeln und einzuführen, die den größten Mehrwert schaffen. Dabei geht es um Prozesse und Werkzeuge, die dafür sorgen, dass alle Beteiligten ihre Arbeit besser und schneller erledigen können. Manchmal genügt es, die Einführung moderner Arbeitsmethoden zu beschleunigen oder neue Technologien wie automatisierte Maschinensteuerungen und Drohnen auszutesten.

„Digitale und automatisierte Prozesse sollten dort zum Einsatz kommen, wo sie Ineffizienzen beseitigen und den Wert steigern – damit wir alle das tun können, was wir schon seit Jahren hätten tun sollen.“

Paul McNerney

Die Baubranche ging durch extrem schwierige Zeiten und es könnten noch weitere Herausforderungen auf uns zu kommen. Aber es gibt auch Gründe, positiv in die Zukunft zu blicken, wie Todd Wynne resümiert:

Wir haben bewiesen, dass wir die Dinge schnell ändern können, wenn genügend Motivation und Druck vorhanden sind. Selbst Unternehmen, die zuvor gezögert haben, sind jetzt bereit für den Wandel. Lassen Sie uns diesen Vorteil nutzen. Ich denke, dass die Pandemie alles beschleunigt hat. Lassen Sie uns so weitermachen.“

Todd Wynne