Die Strategie der Baubranche zur Erhöhung des Minderheitenanteils: Anreize für Kinder

Organisationen in der gesamten Branche arbeiten daran, dass Minderheiten im Baugewerbe stärker vertreten sind. Dafür sollen Programme entwickelt werden, die das Bewusstsein schon früh fördern.
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Es ist schon lange eines der wichtigsten Ziele der Branche, dafür zu sorgen, dass Minderheiten in Bereichen wie Architektur und Ingenieurwesen zahlreicher vertreten sind.Ein wichtiger Schritt, um die Repräsentationslücke zu schließen, ist es, schon bei Kindern ein Bewusstsein für die Karrieremöglichkeiten in der Branche zu schaffen.

Hier sind drei Organisationen, die Kinder dazu inspirieren wollen, in der Baubranche zu arbeiten.

Unter den Architekten nimmt die Vielfalt zu, aber die afroamerikanische Bevölkerungsgruppe bleibt außer vor

Laut einem Bericht von 2020 vom National Council of Architectural Registration Boards (NCARB) sind fast die Hälfte der Kandidaten des Architectural Experience Program (AXP) Frauen und 44 % der Teilnehmer People of Color. Es handelt sich dabei um ein Schulungsprogramm, bei dem die Teilnehmer auf die Erlangung einer Architektenlizenz vorbereitet werden.

Diese Zahlen sind ein Zeichen dafür, dass Vielfalt in höheren Positionen, die Minderheiten bisher nur spärlich besetzen, gefördert wird. Der Bericht des NCARB bestätigt, dass die Zahl der Frauen und People of Color in diesen Positionen insgesamt steigt. Dennoch wurden laut dem Bericht „keine Veränderungen beim Anteil der Afroamerikaner in diesem Beruf festgestellt“.

Die National Organization of Minority Architects (NOMA), die nationale Organisation von zu Minderheiten gehörenden Architekten, arbeitet daran, die Anzahl an schwarzen Architekten in Führungspositionen zu erhöhen. Die Organisation will etwa im Rahmen der Initiative Project Pipeline dafür sorgen, dass mehr schwarze Schüler diesen Beruf ergreifen.

Laut der Project Pipeline-Website besteht das Ziel der Initiative darin, „Schüler, die einer Minderheit angehören, insbesondere Schwarze, an das Thema Architektur heranzuführen und dadurch eine höhere Anzahl schwarzer Architekten auszubilden.“ Dieses Ziel will die Organisation hauptsächlich durch ein Sommerlager zum Thema Architektur für Sechs- bis Zwölftklässler erreichen.

Sowohl nationale als auch regionale Gruppen der NOMA veranstalten diese Sommerlager. In der Regel werden den Kindern dabei die Grundlagen der Architektur praxisnah vermittelt. In diesem Jahr fand das Sommerlager aufgrund der Coronakrise virtuell statt. Seit das Ferienlager initiiert wurde, haben mehr als 10.000 Kinder daran teilgenommen.

Aufgrund des Fachkräftemangels ist eine stärkere Vertretung von Minderheiten essentiell

Eine Umfrage, die von den Associated General Contractors of America (AGC), dem Verband der US-Generalunternehmer, und Sage Construction durchgeführt wurde, ergab, dass Bauunternehmer bezüglich des Branchenwachstums positiv gestimmt sind. Weniger Optimismus zeigen sie allerdings, wenn es darum geht, gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

Laut dem U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS), der US-amerikanischen Behörde für Arbeitsmarktstatistiken, beträgt der Frauenanteil im Baugewerbe 10,3 %, während Schwarze und Asiaten 6,4 % bzw. 1,9 % ausmachen. Diese niedrigen Zahlen machen deutlich, dass es noch viele unentdeckte Talente gibt, die die Branche gut gebrauchen kann.

Einige Organisationen sehen diese Zahlen als Chance, Verbesserungen in der Branche zu bewirken. Eine solche Organisation ist etwa Construction Career Collaborative (C3) aus Houston im US-Bundesstaat Texas.

Ihr Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen und die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten für Arbeiter in der Baubranche zu verbessern. Die Organisation bietet viele Programme an, die darauf ausgelegt sind, die Branche für Mädchen und Minderheiten attraktiv zu machen. Ein solches Programm ist etwa die Konferenz namens #SheBuildsHouston.

C3 organisierte 2019 die erste #SheBuildsHouston-Veranstaltung, an der 1.100 Mädchen teilnahmen. Die jährliche Veranstaltung bringt Unternehmen und Organisationen der Baubranche zusammen, um Mädchen aus einem der am stärksten unterversorgten Schulbezirke der Stadt praktische Erfahrungen mit Handwerksberufen zu vermitteln.

„Bei #SheBuildsHouston setzen Mädchen Schutzhelme auf und legen Sicherheitsausrüstung an“, berichtet Angela Robbins-Taylor, Director of People Development, Compliance and Operations. „Unter der Anleitung von Mentoren lernen sie, wie Bauwerkzeuge und -ausrüstungen genutzt werden. Außerdem entdecken sie verschiedene Baumaterialien.“

Die Konferenz umfasst außerdem Diskussionsrunden, um Mädchen die Möglichkeit zu geben, Vorträge von Handwerksmeisterinnen und Unternehmensleiterinnen anzuhören.

Dieses Jahr wurde #SheBuildsHouston aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt. Robbins-Taylor erwartet allerdings, dass die Konferenz Ende 2021 wieder stattfinden wird, und rechnet mit mehr als 3.500 jungen Teilnehmerinnen.

Der beratende Bildungsausschuss von C3 bietet Lehrern und Verwaltungsangestellten Beratung und Unterstützung, um Kinder an Schulen auf Handwerksberufe aufmerksam zu machen. Die Kampagnen reichen von der Grundschule bis hin zur Highschool.  

„Wir stellen Lehrern Ressourcen wie Unterrichtspläne und Videos sowie Zugang zu Lehrplänen und Wettbewerben bereit“, erklärt Robbins-Taylor.

Niemand entscheidet sich durch Zufall für ein Ingenieurstudium

Wenn mehr Frauen Architektinnen oder Ingenieurinnen werden sollen, müssen Mädchen schon früh in Kontakt mit der Branche kommen. Das Women in Engineering Program (WEP) von der Cockrell School of Engineering an der University of Texas arbeitet daran, bei Mädchen bereits im Kindergartenalter Interesse am Ingenieurwesen zu wecken. Das Programm begleitet Mädchen und junge Frauen bis zum Beginn ihres Bachelorstudiums in der Fachrichtung.

Das WEP steht außerdem im engen Austausch mit dem Ingenieurprogramm für Minderheiten an der Universität. Aus diesem Grund rangiert Cockrell in den USA auf Platz 14 bei der Anzahl der Bachelorabschlüsse im Ingenieurwesen, die an unterrepräsentierte Minderheiten und Hispanoamerikaner vergeben werden. Die Universität belegt außerdem den 11. Platz bei den Abschlüssen, die an Frauen verliehen werden. Das Ranking basiert auf einem Vergleich der Daten von 427 Ingenieurschulen, die der American Society für Engineering Education gemeldet wurden.

Der Frauenanteil im Baugewerbe beträgt 10,3 %, während Schwarze und Asiaten 6,4 % bzw. 1,9 % ausmachen. Diese niedrigen Zahlen machen deutlich, dass es noch viele unentdeckte Talente gibt, die die Branche gut gebrauchen kann.

Eines der Programme ist der Girl Day, ein jährliches Event mit Wissenschaftsshows und Aktivitäten für verschiedene Altersgruppen – von Kindergartenkindern bis hin zu Achtklässlerinnen. Der „Girl Day“ ging aus Introduce a Girl to Engineering, ein Teil der jährlich stattfindenden „International Engineers Week“, hervor. Diese einwöchige Veranstaltung findet jeden Februar statt. Seit der „Girl Day“ 2002 zum ersten Mal stattfand, haben mehr als 42.000 Mädchen aus Grund- und Mittelschulen daran teilgenommen.

Frauen, die selbst Ingenieurwesen an der Universität studieren, unterstützen die Kinder bei diesen Aktivitäten. Ein weiteres Ziel der Veranstaltung ist es, die Entwicklung von Führungsqualitäten bei jungen Frauen zu fördern, die eine Karriere im Ingenieurwesen anstreben. Im kommenden Jahr findet der „Girl Day“ sowie auch der „Introduce a Girl to Engineering Day“ komplett virtuell statt und zwar am 20. Februar 2021.

Das jährliche Sommerlager des WEP fand dieses Jahr auch nur im virtuellen Rahmen und mit der Hälfte der üblichen Teilnehmerzahlen statt. „Die Herausforderungen in Bezug auf den digitalen Zugang sind gewaltig“, meint Tricia Berry, WEP Director. „Wir wissen, dass virtuelle Ferienlager nicht über die gleiche Reichweite verfügen wie eine Veranstaltung vor Ort, bei der wir die Schüler auf den Campus einladen können.Wir konnten immer noch eine große Vielfalt an Teilnehmern in Bezug auf die ethnischen Zugehörigkeiten und die geographische Herkunft innerhalb des Bundesstaats erreichen. Ich weiß allerdings auch, dass wir nur die Schüler erreichen konnten, die auch Zugang zu Technologie haben.“

Zu Beginn des Bachelorstudiengangs Ingenieurwesen bietet das WEP diverse Hilfs- und Mentorenprogramme für Frauen an. Das Team des WEP konzentriert sich bei der Anwerbung auf bestimmte Fachrichtungen, in denen Frauen noch nicht gleichermaßen vertreten sind.  

Im Studiengang Bauingenieurwesen lag der Frauenanteil früher bei über 40 %, doch diese Zahlen sind rückläufig.  

„Als Umwelttechnik 2017 zu einem separaten Studiengang wurde, sahen wir einen Rückgang des Frauenanteils im Bau- und Chemieingenieurwesen – diese Studiengänge deckten früher die Umweltkomponente ab“, berichtet Berry. „Die Frauenquote im Chemieingenieurwesen ist inzwischen wieder höher. In diesem Herbst lag sie sogar bei 40 %. Im Studiengang Bauingenieurwesen sind allerdings keine Verbesserungen festzustellen. Das ist ein neuer Bereich, dem wir von jetzt an ein höheres Maß an Aufmerksamkeit schenken müssen.“

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