Ob 2D oder 3D spielt eigentlich keine Rolle

Die Zukunft des modernen Bauwesens liegt im datengestützten Design
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Daten versprechen mehr Effizienz und sorgen so für Geld- und Zeiteinsparungen. Baustellen sind heutzutage die reinsten Datenmonster. Ohne eine Datenstrategie kommt es bei Rohdaten deshalb eher zu Problemen als zu passenden Lösungsansätzen. Denn Daten müssen genau, kontextuell, aktuell und zugänglich sein, um damit Ergebnisse erzielen zu können.

Ob Sie diese Daten in 2D oder 3D erhalten, liegt an Ihnen. Nach wie vor entscheidend ist jedoch die Genauigkeit und Relevanz der Daten. Die Herausforderung besteht heute darin, Baudaten so zu verarbeiten und zu verteilen, dass sie für alle Projektbeteiligten überall und jederzeit zugänglich sind. „Gebäude werden nicht mehr nur von Menschen alleine gebaut; vielmehr werden sie von Menschen gebaut, die sich auf Daten stützen“, sagt Bluebeam Community Development Program Manager Lilian Magallanes.

Im Rahmen einer von Magallanes geleiteten Podiumsdiskussion auf der BILT North America wurde das Thema von renommierten Fachleuten und Experten in der Branche erörtert.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

  • Tammy Adolf, Associate & Integrated Design Data Manager bei Stantec Canada
  • Heather Skeehan, R.A., AIA, LEED AP BD+C, Design Manager bei GLY Construction
  • Robert Beckerbauer, BIM Coordinator bei RDG Planning & Design
  • Kristen Ambrose, AIA, NCARB, LEED AP BD+C, Principal Director of R&D bei RATIO Architects
  • John Bund Sr., Associate bei MG2 Design
  • Joseph Kim, Architectural Design Manager bei The Escape Game

Zusammenfassung der Podiumsdiskussion

„Der Wunsch und das Bedürfnis, Daten aus Tabellen oder PDF-Dokumenten in 3D-Modelle zu integrieren, ist groß. Die Vorteile liegen auf der Hand: Während des gesamten Projektlebenszyklus herrscht ein Informationsfluss, wodurch wir uns darüber Gedanken machen können, wie wir diese Daten nutzen wollen, um den Prozess zu straffen“, beginnt Magallanes die Diskussionsrunde. Adolf bestätigt Magallanes These und fügt hinzu, dass in bestimmten Gerichtsbarkeiten, PDF-Dateien und gedruckte Kopien mit Stempeln besonders für Versicherungen immer noch gesetzlich vorgeschrieben sind. Durch aktuelle Anforderungen und Arbeitsabläufe werden Hürden bei der Modellierung von Datenintegrationen geschaffen.

„Es wird immer noch verlangt, dass Gebäude auch auf dem Papier überzeugen und auf Grundlage dieser Pläne konstruiert werden könnten. Immer mehr Fachkräfte stellen sich jedoch die Frage: ‚Könnten wir nicht einfach das 3D-Modell als Basis verwenden?‘ Von uns wird erwartet, dass wir beides anfertigen. Es werden aber weder dieselben Anwendungsfälle noch der eventuelle Mehraufwand berücksichtigt“, so Adolf weiter. „Wir sind vertraglich verpflichtet, den Bauplänen und technischen Daten in den PDF-Dateien zu folgen“, meint Skeehan. „Die Herausforderung besteht darin, dass die technischen Daten häufig nicht angemessen verwaltet werden.“

Technische Daten führen zu vielen zusätzlichen Informationen, die nur mühsam integriert werden können. „Bei technischen Daten haben wir häufig mit der Masse an Informationen zu kämpfen. In den meisten Fällen sind sie zudem vom Modell getrennt. Dadurch müssen die Daten an mehreren Orten aktualisiert werden, was wiederum zu einer größeren Fehleranfälligkeit führt. Informationen sind nicht untrennbar mit Bauplänen verbunden“, so Skeehan. Als Folge werden häufig Datenausschnitte generiert, anstatt der eigentlichen technischen Daten, die für das jeweilige Projekt relevant sind.

Laut Beckerbauer können sich die Erwartungen an technische Daten zudem auf die Relevanz der Modelldaten für den Architekten auswirken. „Als Architekt wird man für die räumliche Planung von Modellelementen bezahlt. Das Problem dabei ist, dass man sich stundenlang mit dem Entwurf, Bau und der Modellierung einer Treppe beschäftigen kann. Treppen liegen jedoch nicht im Aufgabengebiet von Architekten. Warum verwenden wir also nicht allgemeine Treppen? Der finanzielle Aufwand ist am Ende nicht gerechtfertigt. Außerdem verschwenden wir damit unnötig Zeit, da es keinen Branchenstandard gibt, mit dem man einfach eine Treppe zeichnen könnte. Stattdessen sollten wir das Modell mit der passenden Fachrichtung freigeben und den Experten, die Integration der Daten überlassen.“

Ausblick

Die gute Nachricht lautet: Ein Umdenken ist im Gange. Anbieter und Partner digitaler Lösungen beginnen damit, Datenbanken zu erstellen, deren Daten direkt in das Modell eingepflegt werden können. Auch das Konzept der digitalen Zwillinge findet immer mehr Anhänger. Skanska arbeitet beispielsweise an der Fertigstellung eines Bauprojektes bis 2023, das ausschließlich auf digitalen Dokumenten basiert.

Obschon es noch eine Reihe von Schwachstellen gibt, hat sich bereits abgezeichnet, dass die Zukunft des modernen Bauwesens im datengestützten Design liegt. Die Branche setzt alles daran, diese Zukunft Realität werden zu lassen. Komplett neue Wege des Zugriffs werden dabei entwickelt, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären, um Baudaten zu verarbeiten und zugänglich zu machen und an die Projektbeteiligten zu verteilen. Dafür muss die gesamte Branche umdenken: Wir müssen uns alle über Daten in Modellen und PDF-Dateien Gedanken machen, um die Hürden, die derzeit mit Datenformaten zusammenhängen, aufzubrechen.