Frau auf Baustelle schaut in die Ferne© ake1150 – stock.adobe.com

Wie entwickelt sich die Baubranche? Prognose für die Bauwirtschaft 2023

Informieren Sie sich über die Prognose für die Bauwirtschaft 2023, zur weiteren Entwicklung im Baugewerbe und Baukonjunktur.
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Rückblick: Die Entwicklung der Baubranche der letzten Jahre

Mit Beginn der Corona-Pandemie fielen die Prognosen für die Bauwirtschaft wenig rosig aus, doch entgegen den Erwartungen entpuppte sich die Baukonjunktur in Deutschland 2020 als Stütze für die deutsche Wirtschaft. Und auch 2021 stiegen die Gewinne der Baubranche.

2022 erschüttern neue Krisen den Weltmarkt. Energiekrise, Baustoffmangel und eine rasante Preisentwicklung für Baumaterial sind allgegenwärtig. Die Entwicklung der Baubranche ist zunehmend von Zurückhaltung und Unsicherheit geprägt, das zeigt sich zum Beispiel in sinkenden Auftragseingängen.

Kein Wachstum der Bauwirtschaft 2021

Nach Angaben des ZDB lag der Umsatz des Bauhauptgewerbes im Jahr 2021 bei circa 145 Milliarden Euro. Das entspricht einem Umsatzplus von 1,2 Prozent. Berücksichtigt man die Preisentwicklung von 7,4 Prozent, liegt die reale Entwicklung des Umsatzes bei -6,2 Prozent.

2021 gelang es der Baubranche 2,1 Prozent mehr Mitarbeitende einzustellen. Es wurden insgesamt 911.481 Menschen beschäftigt. Außerdem verzeichnete man wieder mehr Aufträge – insbesondere aus der Wirtschaft und im Wohnungsbau.

Drei Menschen auf der Baustelle studieren Bauspläne. © ake1150 – stock.adobe.com
Lieferengpässe, explodierende Preise und Co. machten es den Planenden auf der Baustelle 2021 nicht leicht.

Steigende Materialpreise für Holz und andere Baustoffe, Lieferengpässe, sinkende Mietrenditen, knapper werdendes Bauland und daraus resultierend steigende Baukosten erschwerten der Baubranche 2021 die erwartete Entwicklung.

Damals lag die Prognose für die Bauwirtschaft 2022 von EY Parthenon bei 0,1 Prozent Nettowachstum. Es wurde eine rasche Erholung nach der Covid-19-Krise prophezeit, doch dann kam doch alles etwas anders, wie Sie im Folgenden lesen können.

Negativer Verlauf der Baukonjunktur 2022

Die Herausforderungen rund um die weltwirtschaftliche Lage, steigende Preise und Rohstoffmangel haben die Entwicklung der Baubranche im Jahr 2022 stark geprägt. So korrigierte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie im Herbst 2022 die Prognose für den realen Umsatzrückgang im gesamten Jahr 2022 nach unten – von real 0 bis -2 Prozent auf -5 Prozent. Trotz einer hohen Auftragslage hat die Baubranche 2022 mit der Inflation zu kämpfen – bei gleichem Geld können nur weniger Bauvorhaben umgesetzt werden.

Steigende Material- und Energiekosten sind nur einige Faktoren, die 2022 in der Bauwirtschaft für Ungewissheit sorgen. Das zeigt sich unter anderem in Auftragsrückgängen: Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im Bauhauptgewerbe von Januar bis August 2022 einen realen Rückgang der Auftragseingänge um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die realen Umsätze sind von Januar bis August 2022 um 4,3 Prozent gesunken. Gleichzeitig lagen die nominalen Umsätze bei einem Anstieg von 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, was in einem starken Anstieg der Baupreise begründet liegt.

Betrachtet man nur den August 2022, dann gingen

  • die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat real und kalenderbereinigt um 15,6 Prozent zurück,
  • die realen Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,1 Prozent zurück.

Auch im Wohnungsbau zeigt sich Zurückhaltung. Laut dem Statistischen Bundesamt ist von Januar bis September 2022 die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent gesunken. Im September 2022 waren es im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar 9,1 Prozent.

Blick in die Zukunft: Prognose der Bauwirtschaft 2023

Prognosen für die Baubranche im Jahr 2023 sind grundsätzlich schwer zu treffen. Grund dafür ist die ungewisse gesamtwirtschaftliche Situation, einhergehend mit Lieferengpässen, Rohstoffmangel und steigenden Energiekosten. Trotz der erhofften Erholung nach der Corona-Pandemie musste die Baukonjunktur 2022 einige Rückschläge einstecken.

Der Fachkräftemangel wird die Bauwirtschaft auch weiterhin begleiten. Alternative Lösungen rund um Ressourceneinsparung und Prozessoptimierung – zum Beispiel durch die Digitalisierung in der Baubranche – sind in Zukunft immer wichtiger.

Laut einer Prognose von EY Parthenon besteht dennoch Hoffnung: Für die Jahre 2022 bis 2024 ist im Hochbau ein Wachstum möglich, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Das preisbereinigte Wachstum lag im Jahr 2021 bei 1,1 Prozent, während es 2022 auf 1,8 Prozent ansteigt und bis 2024 ein stabiler Wert von 1,7 Prozent möglich ist – allerdings in Abhängigkeit von den weiteren weltwirtschaftlichen Entwicklungen.

Infografik mit Prognosen für den Hochbau für die Jahre 2021, 2022, 2023 und 2024
Laut Prognosen von EY-Parthenon ist im Hochbau bis 2024 ein mäßiges Wachstum möglich – allerdings abhängig von den weiteren Entwicklungen in der Weltwirtschaft. 

Wohnungsbau – abhängig von Inflation und Zinsen

Im Wohnungsbau spiegelt sich die Unsicherheit der Bevölkerung wider. Preise steigen stark und die Zahl der Stornierungen nimmt zu. Wachstumstreiber für die Bauwirtschaft sind eine zunehmende Urbanisierung, Wohnraummangel und insbesondere die energetische Sanierung.

Laut EY Parthenon nehmen Renovierungen zukünftig einen höheren Stellenwert ein. Für 2024 wird ein Wachstum von 2,1 Prozent erwartet, während die Prognosen für den Neubau bei 1,1 Prozent liegen. Negative Auswirkungen für den über Kredite finanzierten Neubau könnten entstehen, falls die Inflation abflacht und die Zinsen weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben.

Nichtwohnungsbau – Potentiale für die Zukunft

Der wachsende Online-Handel hat die Nachfrage für Logistikimmobilien während der Pandemie verstärkt. Dieser Trend wird sich fortsetzen, was allerdings auch bedeutet, dass Immobilien für den Einzelhandel langfristig immer weniger nachgefragt werden. Positiv wirkt sich das auf die Renovierungen alter Einzelhandelsimmobilien aus, welche immer öfter umgenutzt werden sollen.

In Bezug auf Bürogebäude zeichnet sich Homeoffice immer mehr als „New Normal“ ab. Das Interesse an Coworking-Spaces und anderen neuen Bürokonzepten im Sinne von „New Work“ steigt. Dadurch gewinnen Renovierungen von Büroimmobilien, die an diese neuen Strukturen angepasst sind, an Bedeutung.

Architekten besprechen Baupläne am Computer. © snowing12 – stock.adobe.com
Corona hat das Wohnen, Leben und Arbeiten verändert. Das erfordert auch auf dem Bau neue Lösungen.

Baukonjunktur – das erwartet uns 2023

Als Fazit der Prognosen für die Bauwirtschaft 2023 lässt sich sagen: Die Entwicklung der Baubranche wird maßgeblich vom weiteren gesamtwirtschaftlichen Geschehen beeinflusst. Eine Chance auf Erholung ist in unterschiedlicher Ausprägung dennoch möglich.

Möchten Sie mehr zu den Einflussfaktoren auf Deutschlands Baukonjunktur erfahren? Dann empfehlen wir Ihnen unsere Artikel zum Baustoffmangel und zur Preisentwicklung für Baumaterial.

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