Sophie Drury: Im Baugewerbe zu neuen Höhen

Bluebeam sprach mit Sophie Drury, Construction Manager bei Mace, über das Schönste an ihrem Job, ihre Erfahrungen im britischen Baugewerbe und darüber, wie mehr Frauen für die Arbeit in der Branche gewonnen werden können.
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Die Baubranche in Großbritannien beschäftigt laut der Regierung über 3 Millionen Menschen, doch weniger als 20 % davon sind Frauen. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Diversität – und vor allem Repräsentanz – große Auswirkungen auf die Effizienz einer Firma haben können. Das Baugewerbe bildet da keine Ausnahme.

Da sich die Lage verbessert, wollen mehr Frauen in die Branche. Das Baugewerbe bietet für diejenigen, die Chancen ergreifen wollen, Karrieremöglichkeiten wie keine andere Branche.

Bluebeam sprach mit Sophie Drury, Construction Manager beim Großunternehmer Mace. Sie arbeitet aktuell am East-Village-Projekt ihrer Firma im Osten Londons.Der Built Blog sprach mit ihr über ihren Job, ihre Erfahrungen in der Branche und darüber, wie mehr Frauen ihrem Beispiel folgen können.

HC: Können Sie uns Ihre Rolle kurz erläutern?

Sophie Drury: Ich arbeite bei Mace Tech. Das ist ein Geschäftsbereich innerhalb von Mace. Wir liefern Baulösungen für Hochhäuser. Ich arbeite mit dem Rohbau- und Kernteam und bin Lead Construction Manager für einen 30-stöckigen Wohnturm im East Village, der Teil des alten Olympischen Dorfs von 2012 in Stratford im Osten Londons ist.

HC: Würden Sie uns einen typischen Arbeitstag beschreiben?

Sophie Drury: Der sieht wie der ganz normale Alltag im Baumanagement aus. Der Tag beginnt mit der sogenannten „goldenen Stunde“. Wir begehen die Baustelle, prüfen alles, sorgen für sicheres Arbeiten und informieren alle über ihre Aufgaben für diesen Tag. Während des restlichen Tages geht es um Fortschrittsmessungen, Qualitätssicherung sowie die Sicherheit und Planung der nächsten Aufgaben.

HC: Was hat Sie an der Arbeit im Baugewerbe gereizt?

Sophie Drury: Mein Vater hat als Gutachter gearbeitet, als ich noch ein Kind war. In meiner Kindheit war ich ständig auf Baustellen. Ich interessierte mich auch schon immer dafür, wie Dinge zusammengebaut werden. Außerdem war mein Patenonkel Architekt und so bin ich praktisch auch im Architekturstudium an der Manchester University gelandet. Aber das war nicht wirklich etwas für mich. Ich würde gerne sagen können, dass ich etwas zur Skyline von London beigetragen habe. Und ich glaube, dass das noch lange gedauert hätte, wenn ich den Architektenweg eingeschlagen hätte. Deshalb dachte ich mir, im Baugewerbe kann man viel praxisorientierter arbeiten und mehr erreichen.

HC: Wie sind Sie zu Mace gekommen?

Sophie Drury: Ich war zuvor in Australien und kam nach Großbritannien zurück, wo ich eine Aushilfsstelle bei Mace bekam. Nach sechs Monaten in der Verwaltung erkannte ich, dass dies ein angenehmer Ort zum Arbeiten war. Es wird oft angenommen, dass die Baubranche ein schwieriger Arbeitsplatz für Frauen wäre. Doch in den sieben Jahren meiner Arbeit bei Mace habe ich selten etwas Anderes erlebt als eine Familie, die zusammenhält.

HC: Was gefällt Ihnen an Ihrem Job? 

Sophie Drury: Ich denke, die Arbeit für einen Generalunternehmer ist einer der spannendsten Jobs, die man überhaupt haben kann. Ich bin jetzt bei meinem vierten Projekt und habe so viele verschiedene Dinge in dieser Branche getan, die ich so sonst nirgendwo hätte erleben können.Ich habe Projekte verwaltet, bei denen wir von der Materialbeschaffung über den Gesundheitsschutz und die Arbeitssicherheit bis hin zum Kellerbau und Landschaftsbau alles dabei hatten. Es gibt immer etwas Neues zu tun. Es gibt immer etwas zu lernen. Und kein Tag ist wie der andere.

HC: Fühlen Sie sich anders behandelt, weil Sie eine Frau sind? 

Sophie Drury: Nein. Frauen gehen ein Problem vielleicht anders an, aber so schaffen wir Vielfalt, was unserer Branche zugute kommt. Einige Menschen stehen einer Frau auf der Baustelle vielleicht etwas skeptisch gegenüber, aber nach Projektabschluss sieht die Sache ganz anders aus. Dann sind alle überzeugt. Doch wir versuchen, allgemein mehr Menschen – egal ob männlich oder weiblich – in die Branche zu holen. Das ist wichtig.

HC: Ist das Thema Frauen in der Baubranche wichtig? 

Sophie Drury: Schon, aber ich will das Thema nicht über alle anderen stellen. Ja, es ist wichtig für mich, wenn ich rausgehe und versuche, Menschen für die Arbeit in unserer Branche zu gewinnen.Ich repräsentiere die Zukunft, denn immer mehr Frauen werden in dieser Branche arbeiten. Doch bei meiner Arbeit möchte ich nur als jemand gesehen werden, der im Baugewerbe arbeitet und gut in seinem Job ist.

HC: Warum sollten Frauen sich für eine Laufbahn im Baugewerbe interessieren?  

Sophie Drury: Es gibt so viele Möglichkeiten in der Branche. Sie können dort fast alles tun. In einer Woche bauen Sie vielleicht an einem Wohnturm, in der nächsten könnten Sie schon an einer Brücke arbeiten oder einen Tunnel bauen. Was Sie vor Ort auf der Baustelle tun können, werden Sie hinter einem Schreibtisch im Büro nie erreichen. Und Sie können in dieser Branche praktisch überall auf der Welt hinreisen. Wenn ich daran zurückdenke, wie ich vor vier oder fünf Jahren durch das East Village lief – es war ruhig, es gab keine Menschen und neun Gebäude weniger. Wenn ich heute mit meinen Freunden durch das East Village spaziere, sehe ich viele neue Gebäude. Und ich kann darauf zeigen und sagen „Das ist mein Kran!“ oder „Das habe ich gebaut!“ und das ist einfach toll. Die Arbeit macht jede Menge Spaß.

HC: Wie können wir mehr Frauen ermutigen, in die Baubranche zu kommen?  

Sophie Drury: Wir sind oft an Schulen und erklären, was wir im Baugewerbe tun. Wir wachsen mit diesen ganzen Klischees auf, was Mädchen und Jungen angeblich können und was von ihnen erwartet wird. Oft entkräften wir in den Schulen erstmal diese Klischees. Bei Gesprächen mit den Mädchen kommt oft die Frage: „Was genau machen Sie eigentlich?“. Nachdem ich es erklärt habe, kann ich förmlich sehen, wie Ihnen ein Licht aufgeht, wenn sie sagen: „Oh, das ist wirklich cool“.