Baumhäuser

Dieser Architekt entwirft atemberaubende Baumhäuser – und wir erklären Ihnen, wie er dabei vorgeht!

Vergessen Sie die klapprigen Baumhäuser, die manch einer im Garten hat – diese baumgestützten Bauwerke sind aufwendig gestaltet und verfügen über beeindruckende Struktur- und Designmerkmale.
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Wenn Sie an Baumhäuser denken, haben Sie wahrscheinlich eine äußerst simple Konstruktion ohne Strom, Heizung oder fließendes Wasser im Kopf, die von abenteuerlustigen Kindern im eigenen Garten errichtet wurde. Die Welt des modernen Baumhausbaus revolutioniert jedoch das Bild des schlichten Baumhauses.

Egal ob hippes Ferienhaus oder außergewöhnliches Gartenhaus: Diese Bauwerke sind funktional, gemütlich und gleichzeitig atemberaubend. Built hat den bekannten Baumhausarchitekten Andreas Wenning interviewt und dabei mit ihm über die Vorgehensweise beim Bau solch luxuriöser Baumhäuser gesprochen.

Die Inspirationsquelle

Zu Beginn seiner Karriere entwarf Wenning zunächst traditionelle Bauwerke. Der ausgebildete Tischler studierte Architektur und arbeitete sechs Jahre lang für Unternehmen in Deutschland und Österreich, bevor er sich selbständig machte. Sein erstes Baumhaus baute Wenning zum Eigennutz auf dem Grundstück eines Freundes.

„Ich habe das Baumhaus Plendelhof gebaut, da mich die Idee begeistert hat, so weit oben im Baum auf kleinem Raum zu sein“, so Wenning. „Ich hatte die Gelegenheit, mein erstes eigenes Baumhaus an einem wunderschönen Ort zu bauen, also habe ich ein modernes Bauwerk entworfen. Ich hatte als Kind kein Baumhaus, aber ich mag Bäume und kleine experimentelle Räume.“

Quelle: Baumraum

Der Architekt war überrascht von den zahlreichen Anfragen für weitere Baumhäuser, die ihn im Anschluss erreichten. „In dieser Zeit, also 2003, wollte ich ohnehin mein eigenes Unternehmen gründen und habe entdeckt, dass es da eine Marktlücke gab, die perfekt zu mir passte. Also habe ich zunächst meine eigene Idee verwirklicht und dann kam auch schon der erste Auftrag“, erzählt er. „Es gibt immer mehr kommerzielle Möglichkeiten im Bereich des Baumhausdesigns. Die Menschen erkennen, wie wertvoll die Nähe zur Natur ist. Die Nachfrage nach unseren Leistungen steigt, da Tourismus in Naturräumen immer stärker in Mode kommt.“

Für Wenning liegt der Reiz der Baumhäuser für seine Kunden auf der Hand. „Sie mögen Abenteuer, die Gemütlichkeit eines kleinen Raums sowie die Nähe zur Natur und genießen es, einen romantischen, gemütlichen und ruhigen Ort und einfach etwas ganz Besonderes zu erleben“, erzählt er. „Unsere Baumhäuser werden als Räume für Ruhe und Entspannung genutzt sowie als externe Gästezimmer, Orte zum Meditieren oder auch als Treffpunkte, als Spielräume für Kinder oder sogar als Geschäftsflächen für Hotels oder Vergnügungsparks.“

Hochwertiges Design

Wenning berichtet, dass der erste Schritt im Baumhausdesign eine genaue Inspektion der Bäume ist, die sein Team für den Bau nutzen werden. „Zunächst einmal schauen wir uns die Umgebung an und machen einen Vorentwurf. Das Bauwerk wird dann von einem Statiker und der Baum von einem Baumsachverständigen geprüft. Die Ergebnisse besprechen wir im Anschluss mit den jeweiligen Kunden und versuchen dabei, ihre Wünsche in das Konzept aufzunehmen“, so Wenning. „Die Umgebung leistet mit den stärksten Beitrag zum Design. Die Struktur des Baums, die Kundenwünsche und natürlich auch meine aktuelle Leidenschaft tragen alle zum endgültigen Entwurf bei.“

Aber zunächst einmal steht der Baum im Mittelpunkt

„Im Grunde kann man alle Arten von Bäumen als Basis für ein Baumhaus verwenden“, erklärt Wenning. „Der Baum muss gesund und darf nicht zu jung sein. Schnell wachsende Bäume eignen sich nicht so gut wie langsam wachsende. Die Bäume sollten im Hinblick auf ihre Gesundheit, ihre zukünftige Entwicklung, ihre Bewegung und ihr Wachstum sowie hinsichtlich ihrer Reaktion auf Wind begutachtet werden.

Quelle: Baumraum

Wenn der Bauprozess beginnt, achtet Wenning genau darauf, welche Auswirkungen das Bauwerk auf den Baum hat. „Wir versuchen, den Schaden am Baum so minimal wie möglich zu halten“, erklärt er. „In der Regel schneiden wir den Baum nicht. Wir arbeiten mit Baumsachverständigen zusammen, die uns dabei helfen, die beste Lösung zu finden, um das Baumhaus mit den Bäumen zu verbinden. Dabei verwenden wir Gewebegurte und strapazierfähige Stahlseile zur Fixierung der Baumhäuser. Wir setzen keine Bolzen oder Nägel ein, die den Baum verletzen könnten.“

Dadurch, dass diese baulichen Überlegungen berücksichtigt werden, haben Wennings Bauwerke über einen langen Zeitraum Bestand, ohne dass eine zusätzliche Stützkonstruktion oder Reparaturen notwendig sind. Gleichzeitig wird so die Gesundheit des Baums geschützt.

Quelle: Baumraum

Ästhetik in der Luft

Im Hinblick auf die Gestaltung des Bauwerks legt Wenning Wert auf die Einhaltung bestimmter ästhetischer Grundsätze. „Das Baumhaus an sich sollte in einen Dialog mit dem Baum treten, entweder auf kontrastierende oder auf symbiotische Weise“, so Wenning. „Unsere Ästhetik basiert auf klar definierten Formen“, erklärt er. „[Diese Formen schaffen] Öffnungen und Perspektiven, die einen intensiven Austausch zwischen der Architektur und den Bäumen und den umgebenden Elementen ermöglichen.“

Quelle: Baumraum

Für Wenning ist das Baumhaus an sich etwas ganz Besonderes, da es die Bewohner so nah an die Natur heranbringt. „Für mich persönlich hat ein Baum eine faszinierende Ausstrahlung“, erklärt er. „Er ist stark, groß und manchmal auch sehr alt. Er hat Wunden und erzählt uns Geschichten aus der Vergangenheit. Die Veränderungen zwischen den einzelnen Jahreszeiten sind auch viel deutlicher zu sehen, als es bei anderen Pflanzen der Fall ist.“

Mit anderen Worten: Ein Baumhaus gibt denjenigen, die es nutzen, die Möglichkeit, die Rhythmen der natürlichen Welt aus nächster Nähe zu beobachten.

Die Gestaltung von Baumhäusern unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von den Anforderungen an architektonische Bauten auf dem Boden. „Man braucht mindestens ein gutes Grundwissen über Bäume sowie Fertigkeiten und Kenntnisse im Umgang mit Holz, im Möbelbau und in Holzkonstruktionen“, erklärt er. „Darüber hinaus ist eine professionelle Herangehensweise an Architekturprojekte im Allgemeinen, gestalterische Fähigkeiten und ein gutes Netzwerk von Unternehmen nötig, die in der Lage sind, diese Art von Bauten zu errichten. Man muss auch bereit sein, viel zu reisen, und über die nötigen Sprachkenntnisse verfügen, um mit den Kunden auf der ganzen Welt zu kommunizieren.“

Quelle: Baumraum

Die primären technischen Aspekte, die es beim Baumhausdesign zu berücksichtigen gilt, beziehen sich alle auf die Einschränkungen, die die Bäume vorgeben, in denen das Haus steht. „Ein Baumhaus muss leichter sein als ein normales Haus, das man auf dem Boden bauen würde“, so Wenning. „Aus diesem Grund bauen wir normalerweise Holzkonstruktionen. Die Höhe und das Gewicht hängen vom Baum ab. Wenn der Baum das Gewicht des Baumhauses nicht tragen kann oder wenn die Baumhauskonstruktion zu groß oder zu schwer ist, können Pfeiler als Stützen verwendet werden.“

Durch den Einsatz von zusätzlichen Stützkonstruktionen kann Wenning die kühnsten Träume seiner Baumhauskunden verwirklichen. „Die Grenzen werden durch das Baurecht und das Budget vorgegeben“, erklärt er. „Wenn man das einmal außer Acht lässt, können wir alles bauen.“

Quelle: Baumraum