Die Holzpreise sind wieder sehr niedrig, aber für wie lange noch?

Laut Expert:innen könnten die höheren Zinssätze in den kommenden Jahren zu einem Rückgang der Holznachfrage führen und damit das Ende der Phase pandemiebedingter Preisschwankungen bedeuten.
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Die Holzpreise sind erneut dramatisch gesunken und ein Anstieg ist nicht in Sicht.

Seit Beginn der Coronapandemie konnte ein starkes Auf und Ab der Preise dieses unverzichtbaren Baumaterials beobachtet werden. Zu Beginn der Pandemie erreichten sie zunächst ein Allzeithoch, da die Lieferanten nicht auf den starken Anstieg der Holznachfrage vorbereitet waren. Aufgrund der Lockdowns hatten plötzlich viele Heimwerker:innen Zeit für Renovierungsprojekte. Die Schwankungen hielten seitdem an.

Inzwischen sind die Preise erneut gefallen und werden voraussichtlich nicht so schnell wieder steigen. Der Spitzenpreis für Holz lag 2022 bei 1.464,40 $ (1.417,10 €) pro 1.000 board feet und damit nahe am Pandemie-Rekordpreis von mehr als 1.500 $ (1.451.55 €) im Mai 2021. Seitdem konnte ein stetiger Rückgang verzeichnet werden. Im September 2022 stiegen die Holzpreise für zwei Wochen auf über 500 $ (483.85 €). Ashley Boeckholt, CRO und Mitbegründer des digitalen Holzmarktplatzes MaterialsXchange, bezeichnet diese Preiserhöhung als „kurzer Anstieg in einem Bärenmarkt“.

Dies könnte durchaus der Fall sein. Die Holzpreise lagen zum Redaktionsschluss Ende September 2022 bei 410,90 $ (397.63 $).

Viele der pandemiebedingten Ursachen für den Preisanstieg bestehen mittlerweile nicht mehr. Daher stellt sich nun die Frage, ob die Preise weiterhin schwanken werden oder sich in einer kleineren, berechenbaren Spanne einpendeln.

Was steckt hinter dem aktuellen Preisrückgang?

An die Stelle der Heim- und Umbauprojekte zu Pandemiezeiten sind die Inflation und hohe Zinssätze getreten. Nach zweimonatigem Abwärtstrend stieg die Anzahl der Baubeginne im August 2022 leicht. Dieser Anstieg war jedoch hauptsächlich auf den Bau von Mehrfamilienhäusern zurückzuführen, bei dem weniger Holz zum Einsatz kommt als bei Bauprojekten von Einfamilienhäusern.

Darüber hinaus nahmen die Rücktritte bei Eigenheimkäufen zu. Laut Redfin stieg der Anteil der aufgekündigten Verträge im dritten Monat in Folge auf mehr als 15 %. Vor der Pandemie hatte sich dieser Wert um etwa 12 % bewegt.

Die Nachfrage nach Umbauten nimmt ebenfalls ab, wenn auch nicht ganz so stark wie die nach Neubauten. Der NAHB/Westlake Royal Remodeling Market Index (RMI), der die Umbauaktivität erfasst, fiel im zweiten Quartal 2022 um 10 Punkte im Vergleich zum Vorjahresquartal, wie NAHB-Chefökonom Robert Dietz mitteilt.

Angesichts der Prognose von Goldman Sachs, dass sich die Lage am Immobilienmarkt 2023 verschärfen wird, scheint es unwahrscheinlich, dass der Wohnungsmarkt die Holzpreise in naher Zukunft erneut auf ein extremes Hoch treiben wird.

Kürzungen bei der Werksproduktion

Die pandemiebedingten Herausforderungen in der Lieferkette, wie Arbeitskräftemangel in den Werken und Schwierigkeiten beim Transport, schränkten die Versorgung in Zeiten hoher Nachfrage ein, was zum anfänglich starken Anstieg der Holzpreise führte. Inzwischen sind einige Werke aufgrund geringer Nachfrage und steigender Produktionskosten gezwungen, die Produktion zu drosseln.

Das Sägewerk Canfor kündigte kürzlich eine zweiwöchige Produktionskürzung in den meisten seiner Massivholzanlagen in der kanadischen Provinz British Columbia sowie eine anschließende Anpassung der Produktionskapazität für den Rest des Jahres an. Der Holzmangel in British Columbia, der teilweise auf Waldbrände und Holzschädlinge zurückzuführen ist, trägt zu den steigenden Werkskosten bei. Allerdings stellen solche Kostenanstiege in der Produktion eine neue Realität für die gesamte nordamerikanische Branche dar.


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„Holz ist wesentlich teurer zu produzieren als noch vor einigen Jahren“, erklärt Zach Lowry, Branchenexperte bei The Timberland Investor. „Jeder Aspekt der Holzproduktion, von der Holzernte bis zum Fräsen, hängt stark von Faktoren wie Diesel, schweren Maschinen, Fahrzeugen und Arbeitskräften ab, deren Kosten seit der Pandemie deutlich gestiegen sind.“

Die höhere Kostenbelastung in der Holzverarbeitung könnte eine neue Untergrenze für Holzpreise erforderlich machen, die über dem Mindestpreis von 300 $ (289,39 €) vor der Pandemie liegen würde. „Wenn die Holzpreise auf knapp über 400 $ (385,86 €) steigen, wird es mehr Gespräche über Kürzungen geben“, so die Einschätzung Boeckholts von MaterialsXchange.

Anhaltender Zollstreit

Im August 2022 veröffentlichte das Handelsministerium der Vereinigten Staaten seine abschließende administrative Überprüfung und senkte die Zölle auf durch die USA importiertes Holz aus Kanada. Das US-Handelsministerium verringerte den ursprünglichen Satz von 17,99 % um beinahe die Hälfte auf 8,59 %. Dadurch liegen die Zölle auf kanadisches Holz unter dem Wert von 11,64 %, den man zunächst im Rahmen der dritten administrativen Überprüfung prognostiziert hatte.

Trotz der Kürzung fordern US-Konzerne und kanadische Handelsvertreter eine weitere Senkung der Zölle. Kanada kündigte an, die Zollgebühren auf Grundlage des Canada-United States-Mexico Agreement (CUSMA) anzufechten.

Mary Ng, Kanadas Ministerin für internationalen Handel, Exportförderung, Kleinunternehmen und wirtschaftliche Entwicklung, drückte in einer Stellungsnahme Kanadas „Enttäuschung darüber aus, dass die Vereinigten Staaten weiterhin unangemessene und unfaire Zölle auf Weichholz aus Kanada erheben. Der einzig faire Ausgang wäre, dass die USA ihren CUSMA-Verpflichtungen nachkommen und von der Anwendung ungerechtfertigter Zölle auf kanadische Weichholzprodukte absehen.“

Auch die NAHB drängt auf die Abschaffung der Zölle auf kanadisches Holz durch das Handelsministerium und bezeichnet sie als Steuer zulasten von US-amerikanischen Bauträgern und Käufer:innen von Eigenheimen.

Sind 400–600 $ (385,86–578,79 €) die neue Normalität?

Vor der Pandemie lagen die Holzpreise jahrzehntelang im Bereich von 200–400 $ (192,93–385,86 €). Ohne eine deutliche Reduzierung der Produktionskosten oder einen unerwarteten Nachfrageanstieg ist ein erneutes Absinken des Holzpreises auf 200 $ (192,93 €) laut Expert:innen unrealistisch. Dennoch soll er Prognosen von Trading Economics zufolge Ende 2023 bei 347,78 $ (335,49 €) liegen.

Darüber hinaus dürfte die US-Notenbank Federal Reserve weiterhin mit aggressiven Zinserhöhungen auf die hohe Inflation reagieren und die Hypothekenzinsen, die sich bereits jetzt auf hohem Niveau bewegen, noch stärker anheben. Sollte sich an den hohen Finanzierungskosten für den Kauf neuer Eigenheime nichts ändern, könnte die verhaltene Nachfrage nach Wohnraum auf absehbare Zeit anhalten und in der Folge den Bedarf an und damit auch die Preise von Holzprodukten niedrig halten.

Eine gewisse Unsicherheit bleibt dennoch bestehen.

„Ich denke, dass man von einer Spanne von 400–600 $ (385,86–578,79 €) als neue Normalität ausgehen kann. Ich denke jedoch nicht, dass eine Rückkehr zu den Höchstpreisen völlig ausgeschlossen ist“, meint Lowry. „Wilde Spekulationen können zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden und der geschaffene Präzedenzfall künftige Erwartungen und Verhaltensweisen beeinflussen.“

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