Zusammenarbeit im Bauwesen: Softwareinnovation sichert Projekterfolg

Im Rahmen des 3,6 Milliarden australische Dollar (2,3 Milliarden Euro) teuren Projekts Queen's Wharf wird Wohnraum mit integrierten Freizeitanlagen in Brisbane geschaffen. Dieses gewaltige Unterfangen wird durch Informationstechnologien unterstützt, insbesondere für den Datenaustausch.
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Expansion ist für Brisbane kein Fremdwort. Die Stadt wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als kleine Siedlung an der Ostküste Australiens gegründet, hat sich seitdem zu einer pulsierenden Metropole entwickelt und ist heute die drittgrößte Stadt des Landes.

Heute zeichnet sich die Stadt durch die hoch aufragenden Wolkenkratzer, die breit gefächerte Wirtschaft und den günstig gelegenen Hafen aus. Doch das neue Projekt Queen’s Wharf steigert die Ambitionen von Brisbane noch einmal gewaltig.

Das mehrere Milliarden teure Projekt Queen’s Wharf, das sich über 26 Hektar Land und Wasser erstreckt, ist die größte Stadtteilentwicklung, die jemals in der südlichen Hemisphäre unternommen wurde, und eines der größten Bauvorhaben in Queensland.

Die Leitung des Projekts liegt beim Destination Brisbane Consortium (DBC), einem Joint Venture zwischen der Star Entertainment Group und den in Hongkong ansässigen Chow Tai Fook Enterprises und dem Far East Consortium. Nach seiner Fertigstellung wird die Queen’s Wharf 2.000 Wohneinheiten, 1.000 Hotelzimmer, einen Ballsaal mit 1.000 Sitzplätzen, 50 neue Bars und Restaurants, öffentliche Flächen mit einer Größe von 12 Fußballfeldern, ein riesiges Aussichtsdeck und eine neue Fußgängerbrücke über den Fluss umfassen.

Die Queen’s Wharf ist ein einzigartiges Projekt

Das Projekt umfasst den Bau von vier neuen Hochhäusern und schließt die Restaurierung mehrerer benachbarter historischer Gebäude ein. Der Bau des integrierten Resorts, einschließlich der Hochhäuser und der öffentlichen Flächen, wird vom Hauptauftragnehmer Multiplex durchgeführt. Die maritimen Arbeiten am Brisbane River sind sehr fortschrittlich und dienen der Fertigstellung einer neuen öffentlichen Fläche von 6.500 m², die als „The Landing“ bekannt sein wird. Die Arbeiten werden von Probuild durchgeführt, während die Neville-Bonner-Fußgängerbrücke von Fitzgerald Constructions Australia gebaut wird.

Fast alles an diesem Projekt ist einzigartig. Mit Beginn der Arbeiten 2016 haben die Ingenieure das größte Abriss- und Bauprojekt in Angriff genommen, das jemals in der Innenstadt von Brisbane durchgeführt wurde. Um die strukturellen Fundamente zu errichten und Platz für eine fünfstöckige Tiefgarage zu schaffen, wurde ein 26 Meter tiefes Loch ausgehoben. Dabei wurden fast eine halbe Million Kubikmeter Material abgetragen.

Nach Abschluss der Aushubarbeiten 2019 wuchs die Bebauung über das Untergeschoss und zwei weitere Geschosse stetig in die Höhe und erreichte schließlich die Straßenebene. Von dort aus werden die vier neuen Hochhäuser in den Himmel ragen. Die Fertigstellung des gesamten Resortprojekts ist für Ende 2022 geplant.

Datenzugriff über Kollaborationssoftware für das Bauwesen

Ein Schlüsselfaktor für den Fortschritt am Projekt Queen’s Wharf stellt der Zugang zu Daten dar. Der Bau eines neuen Stadtteils in dieser Größenordnung, welcher noch dazu neben einem Fluss im historischen Stadtzentrum entsteht, ist eine hochkomplexe Aufgabe.

Das Projektteam unter der Leitung des Architekturbüros Cottee Parker hat Kollaborationssoftware für die Baubranche eingesetzt, um riesige Mengen an Entwurfs- und Planungsdaten zu koordinieren. Dabei wird unter dem Einsatz von 16 verschiedenen Tools in einer Informationsmodellierungsumgebung gearbeitet. Zwischen 39 beteiligten Unternehmen werden die Daten koordiniert – von Architekten und Ingenieuren zu Auftragnehmern und Lieferanten. Die Informationsmodellierung ermöglicht es dem Team, alle wichtigen Datensätze des Projekts zentral zu organisieren und so denjenigen, die sie benötigen, einfachen Zugriff darauf zu gewähren.

Auch wenn zahlreiche Parteien an der Queen’s Wharf arbeiten, haben die Produkte der Nemetschek Group wohl den größten Einfluss auf das Projekt, wie auch auf andere Projekte auf der ganzen Welt. Die Softwaretools von Nemetschek führen weltweit zu positiven Veränderungen in der Baubranche und bieten Unterstützung, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Derweil wurde der Einsatz des Unternehmens für die Umwelt von den Vereinten Nationen gewürdigt, die das Unternehmen eingeladen haben, Teil der 50 Climate & Sustainability Leaders Campaign zu werden. Die für die Kampagne ausgewählten Unternehmen zeigen mit ihrem Engagement „den Drang, die Führungsstärke und den Willen, effektive Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel zu ergreifen“.

Vier Softwaremarken für die Baubranche

Von den 16 Softwaremarken von Nemetschek wurden vier in der Hauptphase des Projekts Queen’s Wharf eingesetzt: Archicad von Graphisoft für die Planung, dRofus für die Datenverwaltung, Solibri  Office für die Modellprüfung und Bluebeam Revu für die umfassende digitale Dokumentation. Diese Softwaretools decken den gesamten Lebenszyklus des Projekts von der Planung bis zum Betrieb ab und machen Architekten, Ingenieuren, Auftragnehmern und Nutzern gleichermaßen das Leben leichter.

Das DBC hatte für die Entwicklung den anbieterunabhängigen Open-BIM-Ansatz gefordert, der es allen Beteiligten ermöglicht, mit den von ihnen bevorzugten Tools zu arbeiten. Gabor Gulyas, Project Lead und Operations Manager für Digital Engineering bei DBM Vircon, der für die gesamten Bauarbeiten verantwortlichen Projektmanagementfirma, sagte: „Interoperabilität und ein konsistenter Open-BIM-Workflow sind für dieses Projekt unerlässlich. Wenn man bedenkt, dass in Spitzenzeiten bis zu 300 Personen gleichzeitig an den Modellen arbeiten und über 200 verschiedene Modelle koordinieren, führt kein Weg daran vorbei.“

Das Team arbeitete in der Entwurfsphase mit Archicad von Graphisoft. Nach den Prinzipien des integrierten Designs konnten Architekten und Ingenieure dieselben Modelle in Echtzeit prüfen und so Fehler erkennen, lange bevor sie auf der Baustelle auftraten. Dank der Open-BIM-Kompatibilität des Tools konnten alle Modelle in Archicad importiert und koordiniert werden, was die Kommunikation und Teamarbeit verbesserte.

Zeit- und Geldeinsparungen

Zeit ist Geld bei jedem Bauprojekten und wenn Teile eines Projekts nicht gebaut werden können, weil wichtige Informationen fehlen, oder – noch schlimmer – wenn etwas falsch gebaut wird, kann das eine gewaltige Kettenreaktion auslösen. Um solche Situationen bei einem so großen und komplexen Projekt wie der Queen’s Wharf zu vermeiden, nutzte das Team Solibri, um die Entwürfe zu prüfen, bevor die Daten an die Auftragnehmer vor Ort weitergegeben wurden. Dieser Ansatz reduzierte das Risiko bei kritischen Schritten und sparte durch die Vermeidung von Fehlern auf der Baustelle sowohl Zeit als auch Geld.

Abgesehen von der Sicherstellung, dass alle Informationen vorhanden und richtig sind, kann eine weitere Herausforderung bei einem Projekt in der Größenordnung von der Queen’s Wharf darin bestehen, die benötigten Informationen zu finden und darauf zuzugreifen, vor allem, wenn alle auf der Baustelle sind und die Betriebsamkeit ihren Höhepunkt erreicht hat. Es ist von entscheidender Bedeutung, einheitliche Bedingungen zu schaffen, unter denen jeder die von ihm benötigten Informationen finden und darauf zugreifen kann. Das ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass die digitalen Fähigkeiten der einzelnen Teammitglieder sehr unterschiedlich sein können.

Durch den Einsatz von Bluebeam Revu konnte Cottee Parker dem Team das Durchforsten tausender Papierdokumente ersparen und einen digitalen Arbeitsablauf einführen. Durch diesen Ansatz konnte die Zeit, die für Planprüfungen aufgewendet wurde, halbiert werden. Außerdem konnten Entscheidungen zwischen mehreren Beteiligten schneller getroffen werden, da selbst diejenigen, die zuvor nicht mit der Software vertraut waren, problemlos damit umgehen können.

Das Informationsvolumen, das bei einem Projekt wie der Queen’s Wharf anfällt, ist immens: Es gibt 10.000-mal mehr Dokumente als bei einem normalen Wohngebäude. Um die Verarbeitung all dieser Daten zu vereinfachen, konnte das Team mithilfe von dRofus die riesigen Mengen an Informationen aus verschiedenen Quellen konsolidieren und an einem Ort aufbewahren, sodass die Benutzer bei Bedarf einfach darauf zugreifen und sie bearbeiten können.

Die Informationsmodellierung war in der Entwurfs- und Bauphase von entscheidender Bedeutung und wird nach der Fertigstellung von der Queen’s Wharf eine noch größere Rolle spielen, da sie die Verwaltung und Instandhaltung des neuen Stadtteils während der 99-jährigen Pachtdauer unterstützt. Mithilfe der Technologie kommt das Team seinem Ziel, die Kernelemente des Projekts bis 2022 fertigzustellen, zügig näher. Die Renovierung der denkmalgeschützten Strukturen des Geländes, einschließlich des historischen Treasury Buildings, wird voraussichtlich 2024 abgeschlossen sein.

Neues Leben

Die Queen’s Wharf soll Brisbane zum zweiten Mal in seiner Geschichte neues Leben einhauchen und veranschaulicht die Bedeutung des Bausektors bei der Gestaltung von Städten auf der ganzen Welt, um Wirtschaftswachstum zu fördern. Dabei sollten auch die Menschen hervorgehoben werden, die all dies möglich machen, indem sie Technologie nutzen, um die Komplexität des Projekts zu bewältigen und dadurch eine neue Umgebung zu schaffen, die Menschen tagtäglich nutzen können. Viktor Varkonyi, Chief Division Officer im Bereich Planung und Design und Mitglied des Vorstands der Nemetschek Group, bringt es auf den Punkt: „Open BIM, datengestützte Arbeitsabläufe und ein integrierter Entwurfsansatz: Die Queen’s Wharf ist eindeutig ein Vorbild für jedes moderne Bauprojekt. Wir arbeiten sehr eng mit den Projektteams zusammen und freuen uns darauf, bei diesem Großprojekt eine nahtlose Zusammenarbeit über den gesamten Lebenszyklus der Bauarbeiten zu ermöglichen.“

Erfahren Sie mehr über die Fallstudie von Cottee Parker.