Hinter den Kulissen von Lower Manhattans Infrastrukturprojekt zum Schutz vor dem Klimawandel

Das East Side Coastal Resiliency Project zielt darauf ab, einen Teil der bevölkerungsreichsten Stadt der USA vor Überschwemmungen durch steigende Meeresspiegel zu schützen.
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Die Welt ist zunehmend mit den Folgen eines unberechenbaren Klimas konfrontiert. Bauexperten werden daher mit der Entwicklung von Lösungen beauftragt, die den Auswirkungen extremer Wetterereignisse standhalten können.

Weltweit arbeiten Bauexperten sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor daran, die erforderliche Infrastruktur für den Umgang mit erhöhten Meeresspiegeln, extrem hohen Temperaturen und anderen Auswirkungen des sich verändernden Klimas zu errichten.

Besonders schwerwiegend ist dieses Problem in New York City, wo das vermehrte Auftreten von Überschwemmungen zu beträchtlichen Störungen des Wirtschaftssystems geführt hat, die mit steigendem Meeresspiegel weiter zunehmen werden. Als Reaktion darauf hat die Stadt das East Side Coastal Resiliency Project (ESCR) ins Leben gerufen, ein ehrgeiziges Unterfangen, das die Stadt in den kommenden Jahren vor Überschwemmungen schützen soll.

Eine Lösung für steigende Gezeiten

Laut Ian Michaels, dem leitenden Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit beim ESCR, war Hurrikan Sandy der Auslöser für die Durchführung eines Designwettbewerbs, durch den das ehrgeizige Projekt ins Leben gerufen wurde.

„Der Wettbewerb fand unter dem Namen Rebuild by Design statt. Der Gewinnerbeitrag war ein Plan zum Bau eines Hochwasserschutzes in U-Form von Midtown Manhattan an der West Side, unten um die Südspitze der Insel herum und dann zurück nach Midtown Manhattan an der East Side“, so Michaels.

Da dieses ehrgeizige Design zu umfangreich war, um im Rahmen eines einzigen Bauprojekts verwirklicht zu werden, wurde das sogenannte „Big U“ in mehrere Projekte unterteilt. Das erste wurde zum ESCR für die Lower East Side von Manhattan, das am tiefsten gelegene Gebiet der Insel.

„Das Projekt selbst ist ein 2,4 Meilen (3,9 km) langes System aus Bermen, Hochwasserschutzmauern, erhöhten Parkflächen und Schutztoren“, berichtet Michaels. „Wir haben 18 bewegliche Schleusen, die als Barriere gegen Überschwemmungen im Küstenbereich oder Sturmfluten dienen. Zudem verbessern wir das Kanalsystem für Regenwasser im geschützten Bereich, damit es nicht zur Ansammlung von Regenwasser oder anderer Arten von Niederschlag kommen kann.“

Obwohl es sich nur um einen Teil der gesamten baulichen Maßnahmen handelt, ist das Projekt immer noch so umfangreich, dass es in zwei Bereiche unterteilt werden muss, die durch die East 15th Street getrennt sind und jeweils von einem engagierten Team verwaltet werden. „In beiden Bereichen haben wir einen Auftragnehmer und einen hauptverantwortlichen Generalunternehmen und wir beauftragen zusätzlich ein Unternehmen, das den größten Teil der täglichen Aufsichtstätigkeit übernimmt. Für einen Auftrag wie diesen gibt es dann natürlich auch eine Million Subunternehmer und Inspektionsunternehmen“, so Michaels.

Das Department of Design and Construction von New York City ist für die Bauleitung zuständig und überwacht das komplexe Projekt in seiner Gesamtheit.

Fokus auf die Gemeinden

Das Hauptziel des ESCR ist der Schutz der Stadt vor Überschwemmungen. Zudem hat die Stadt laut Michaels großen Wert daraufgelegt, dass im Rahmen des Projekts Bereiche für Erholung und Freizeitaktivitäten geschaffen werden.

„Wir bauen in vielen einkommensschwachen Gebieten, die leider keine wirklich guten Freizeitmöglichkeiten bieten“, schildert Michaels. „Es gibt fünf Parkflächen mit Spielplätzen in diesem 2,4 Meilen [3,9 km] langen Abschnitt von Lower Manhattan, in dem das Projekt durchgeführt wird, und wir bauen alle fünf weiter aus.“

„Wir versuchen zudem, den Zugang zu Freizeitmöglichkeiten für die Menschen zu verbessern, die nah am Ufer leben. Es musste viel geplant werden, damit wir ein flexibles Barrieren- und Hochwasserschutzsystem implementieren konnten, ohne den Zugang zur Ufergegend zu beschränken. Gleichzeitig sollte aber auch die Nutzbarkeit der Parks in der Gegend verbessert werden.“

Als Beispiel nennt Michaels den East River Park, ein Erholungsgebiet, das in seiner ursprünglichen Bauweise überflutet worden wäre – bis eine kreative bauliche Lösung gefunden werden konnte.

„Anstatt eine Hochwasserschutzmauer entlang der westlichen Parkgrenze zu errichten und den Park bis zur Schutzmauer in Stufen neu zu gestalten, haben wir beschlossen, die Schutzmauer durch die Mitte des Parks zu ziehen und den gesamten Park auf beiden Seiten anzuheben, damit die Schutzmauer nicht zu sehen ist“, berichtet Michaels.

Der Park wird etwa 8–10 Fuß (2,4–3 m) über seine aktuelle Höhe angehoben, damit die Mauer untergebracht werden kann. „Das bedeutet, dass der East River Park zur Gänze umgebaut wird“, so Michaels. „Wir nutzen die Gelegenheit, den Park neu zu gestalten und verbessern dabei auch den Zugang.“

Konstruktionen für die Zukunft

Bei der Konzipierung des ESCR musste das Ingenieursteam der Stadt laut Michaels über die unmittelbare Zukunft hinaus planen und ermitteln, welche Herausforderungen in Zusammenhang mit der Klimakrise in New York über einen langen Zeitraum hinweg zu erwarten sind. Wie hat man also die Höhe der Mauer bestimmt?

„New York City hat eine eigene Gruppe namens New York City Panel on Climate Change“, erklärt Michaels. „Die Mauer wird gemäß den Prognosen des Panels nach einem Sturmflutenstandard für 100 Jahre gebaut. Sie wird außerdem so konstruiert, dass wir in Zukunft bei Bedarf weitere 2 Fuß (0,6 m) an Höhe hinzufügen können.“

Die Kosten für das ESCR erscheinen mit 1,5 Mrd. US-Dollar (1,5 Mrd. Euro) zwar beträchtlich, Michaels führt dazu aber aus, dass sich die Investition in dieses zukunftssichernde Projekt mehr als lohnt. „Die Kosten für die Schäden, die Hurrikan Sandy bei Sozialwohnungen, Unternehmen und Privathäusern angerichtet hat, übersteigen anderthalb Milliarden Dollar bei weitem“, so Michaels.

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