Handwerker lehnt an Stapel Holz, einem knappen Baumaterial. © pikselstock – stock.adobe.com

Baumaterial knapp: Gründe des Baustoffmangels & Prognosen

Lieferengpässe und eine rasante Preisentwicklung – die Krise hat die Baubranche seit Beginn der Corona-Pandemie fest im Griff. Doch 2022 versprechen Prognosen eine Entschärfung des Baustoffmangels.
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Mangel an Baumaterial in Deutschland – Schlagzeilen 2021

Es sind Titel wie

  • „Baustoffmangel verzögert Kita-Bau“,
  • „Lieferengpässe nehmen zu: Baufirmen geht das Material aus“,
  • „Material und Energie: Baukosten in Deutschland explodieren“,
  • „Lieferengpässe: Holzmangel bremst nachhaltiges Bauen“ oder
  • „Baustoffmangel durch Corona: Holz, Stahl und Dämmstoffe fehlen“,

die 2021 in sämtlichen Medien zu finden waren. Dass das Baumaterial knapp ist, treibt nicht nur die Bauunternehmen um, sondern auch Privatpersonen, die sich wegen der rasanten Preisentwicklung kaum noch ein Eigenheim leisten können. Doch wie kam es zu dieser Situation und wie sind die Prognosen hinsichtlich des Rohstoffmangels? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Chronologie des Baustoffmangels ab Beginn der Corona-Pandemie

Schaut man sich auf der Webseite der Tagesschau um, lässt sich gut beobachten, ab wann das Thema der Materialknappheit in den Medien immer höhere Wellen geschlagen hat. Wir haben die wichtigsten Meldungen in einer Chronologie zusammengefasst.

Frühjahr 2020: Corona läutet die Krise ein

Bereits im März 2020 warnen Industrie- und Handelsvertreter vor den Folgen des chinesischen Lockdowns. Die Baubranche bleibt unerwähnt, die Sorge gilt vielmehr der Elektronik- und Autobranche sowie der Versorgung mit Medikamenten und Medizinprodukten.

12.03.2020 Coronavirus. Wirtschaft in Sorge vor Lieferengpässen

Frühjahr 2021: Deutschland geht das Holz aus

Was sich Ende 2020 bereits angedeutet hat, verschärft sich immer mehr. Die Lieferengpässe werden gravierender. Die Gründe für den Materialmangel sind vielfältig: Ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie und weltweiten Lockdowns ist die globale Produktion in vielen Bereichen immer noch gedrosselt. Dazu gesellen sich Probleme durch den harten Winter in den USA, eine abgebrannte Halbleiterfabrik in Japan oder die Havarie des Containerschiffs „Ever Given“.

Die Abhängigkeit einer funktionierenden globalen Lieferkette wird immer deutlicher. Gleichzeitig ist die Konsumnachfrage unerwartet hoch im zweiten deutschen Lockdown, während die Preise für Container immer weiter steigen. Insbesondere für Produkte mit kleinen Margen wie beispielsweise Schrauben ist das verheerend, da keine Gewinne mehr erzielt werden.

Stapelfahrer transportiert Holz. © romaset – stock.adobe.com
So gut gefüllt waren die Holzlager im Jahr 2021 nicht überall in Deutschland. Der Holzmangel machte der Baubranche zu schaffen.

Auch auf dem Bau wird das Material knapp. Es fehlen Stahl, Holz sowie Dämm- und Kunststoffe. Die Preise steigen weiter und weiter – der Holzpreis legt 400 Prozent während eines Jahres zu. Und viel zu oft bleiben die Bauunternehmen auf den hohen Materialkosten sitzen, da im Bauvertrag die Preissteigerung nicht einkalkuliert war. Einige beginnen Baumaterial zu horten, was die Situation auf dem Markt zusätzlich verschärft. Trotz voller Auftragsbücher stehen vielerorts die Baustellen still.

10.02.2021 Lieferengpässe aus China. Containermangel sorgt für Streit

24.04.2021 Hohe Nachfrage. Deutschland geht das Holz aus

13.05.2021 Lieferengpässe. Kleine Stoffe, große Abhängigkeit

17.05.2021 Lieferengpässe nehmen zu: Baufirmen geht das Material aus

Sommer 2021: Materialmangel hält an

Ein erneuter Corona-Ausbruch und der viertgrößte Containerhafen der Welt in China steht infolgedessen im Juni still. Die Staus der Containerschiffe verschärfen die Lieferengpässe erneut. Neben Holz, Stahl, Dämm- und Kunststoffen werden in der Baubranche nun auch bald die Schrauben knapp.

Containerhafen bei Nacht. © tampatra   – stock.adobe.com
Nicht in allen Häfen brannte während der Corona-Pandemie abends noch Licht. Viele versanken in einem tiefen Schlaf.

Den Schwierigkeiten in der internationalen Lieferkette folgt weiterhin eine massive Preissteigerung der Produkte. Viele Bauunternehmen reagieren auf die Preisentwicklungen und erhöhen ihrerseits die Preise. Die Preisentwicklung spüren nun auch immer mehr Privatpersonen, die von einem Eigenheim träumen und sich dieses nicht mehr leisten können. Für Bauunternehmen bedeutet der anhaltende Baustoffmangel in vielen Fällen, die Umsatzprognose nach unten korrigieren zu müssen, obwohl die Aufträge stabil sind.

Experten warnen inzwischen vor Gefahren wie einer Preis-Lohn-Spirale oder der Tatsache, dass der Wohnungsbau durch die Preissteigerungen unattraktiver wird. Noch verlasse die Inflation allerdings nicht den normalen Rahmen.

Ende August keimt Hoffnung auf: Laut ifo-Umfrage verbessere sich die Versorgung mit Baustoffen in Deutschland ein wenig, insbesondere beim Schnittholz. Die Situation sei insgesamt allerdings weiterhin angespannt. Keine Entwarnung gibt es für die von der Flut betroffenen deutschen Gebieten, in denen nach der Katastrophe der Bedarf an Baumaterial besonders hoch ist.

01.06.2021 Lieferengpässe und steigende Preise. Materialmangel am Bau verschärft sich

07.07.2021 Wegen Materialmangels. Industrieproduktion ausgebremst

09.07.2021 Materialmangel hält an. Baupreise schnellen in die Höhe

13.07.2021 Aufschwung mit Preisanstieg. Wenn der Boom auf Mangel trifft

17.08.2021 Knappe Baustoffe. Neu bauen mit gebrauchtem Material

03.08.2021 Bauboom und Lieferprobleme. Zehn Wochen warten auf den Handwerker

24.08.2021 Folgen der Lieferengpässe. Was alles knapp geworden ist

30.08.2021 Baubranche. Materialmangel lässt etwas nach

Herbst 2021: Vorsichtig optimistische Prognosen für 2022

Anfang September setzt sich der positive Trend bei der Beschaffung von Holz und auch Dämmstoffen fort. Metalle, Kunststoffe und auch Elektronikkomponenten sind weiterhin nicht verfügbar. Dennoch hoffen Experten auf eine Trendwende, sodass sich die Preise nicht nur beim Holz wieder stabilisieren werden. Die Prognose für 2022 von Timo Wollmershäuser, Konjunkturexperte des Ifo-Institut, lautet: „Der Materialmangel sollte dann [Anfang nächsten Jahres] überwunden sein. Die Firmen können dann ihre Aufträge endlich angehen und auch der Export sollte wieder deutlich anziehen.“

03.09.2021 Handwerksverband warnt. Ohne Holz kein Hämmern

09.09.2021 Stockende Lieferketten. Materialmangel trifft Exportnation

06.10.2021 Folge der Lieferengpässe. Weihnachtsfreuden in Gefahr

07.10.2021 Ungünstige Gemengelage. Industrieeinbruch und Baupreisexplosion

25.10.2021 ifo-Index sinkt weiter. Lieferprobleme belasten Firmen immer stärker

Im Überblick: Gründe für den Materialmangel im Baugewerbe

Die Ursachen für den Baustoffmangel sind so vielfältig wie komplex: Die Corona-Pandemie hat einen Stein ins Rollen gebracht, der schließlich nicht mehr aufzuhalten war. Durch die Lockdowns kamen Produktionen und sogar ganze Häfen zum Erliegen. Die internationalen Lieferketten kamen ins Stocken. Wetterereignisse wie in den USA und Deutschland sowie Pannen im Containerschiffverkehr führten zu weiteren Versorgungsengpässen. Diese wiederum führten zu teils enormen Preisanstiegen. Und es gibt noch viele weitere kleinere Gründe, weshalb die Lieferkette nicht mehr ins Lot kam.

Für Bauunternehmen bedeutete das oftmals ein Verlustgeschäft, wenn Material zu horrenden Preisen gekauft werden musste oder die Baustelle stillstand. Im Moment sind die Aussichten für das nächste Jahr jedoch positiv. Wie sich die Baubranche laut Studien entwickeln wird, erfahren Sie in unserem Artikel „Prognose für die Bauwirtschaft 2022“. Und wenn Sie wissen möchten, wie Sie Ihre Arbeitsabläufe auf der Baustelle optimieren können, um nach dem Baustoffmangel effizient durchzustarten, empfehlen wir Ihnen, einen Blick auf unsere Software Bluebeam Revu.

Wir wünschen ein erfolgreiches Jahr 2022.

Optimieren Sie Ihre Arbeitsabläufe auf der Baustelle.