Durch den Baustoffmangel steigen die Preise für Baumaterialien 2021 stark

Die COVID-19-Pandemie, der Brexit und eine boomende Nachfrage sorgen für eine Erhöhung der Preise für grundlegende Materialien, die die britische Baubranche so dringend benötigt.
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Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat mit Blick auf ihre Strategie zur Förderung des gesamten Wirtschaftswachstums das Ziel, „besser zurückzubauen“ in den Fokus gerückt. „Bauen, bauen, bauen“ lautet die Devise. Es sollen mehr und auch bessere Wohnungen, neue Verkehrsinfrastruktur wie Straßen, Eisenbahnen, Flughäfen und so weiter sowie zusätzliche Gewerbe-, Büro- und Einzelhandelsflächen gebaut werden. 

Das Vorhaben klingt erst einmal gut. Doch so lobenswert die Bauambitionen der Regierung auch sein mögen: Die COVID-19-Pandemie und die Auswirkungen des Brexit haben der Bauindustrie des Landes große Probleme beschert, wie zum Beispiel den Mangel an Baustoffen. 

Die Nachfrage nach Materialien ist zweifellos gestiegen, die Vorräte sind hingegen gesunken und die Preise klettern dadurch weiter in die Höhe. 

Die gute Nachricht ist, dass die Bautätigkeit nach dem turbulenten letzten Jahr in den ersten Wochen von 2021 wieder ein wenig Fahrt aufgenommen hat und Bauvorhaben, bei denen es durch die Pandemie zuvor zu Verzögerungen gekommen war, nun wieder in Gang kommen.  

Wie dem neuesten U.K. Construction Purchasing Managers Index von IHS Markit/CIPS zu entnehmen ist, konnte die Verlangsamung des Wohnungsbaus durch den erheblichen Zuwachs beim Gewerbebau seit September 2020 „mehr als wett gemacht“ werden. 

„Umfrageteilnehmer berichteten von Auftragsvergaben für kommerzielle Gebäude, bei denen es am Anfang der Pandemie zu Verzögerungen gekommen war. Andere wiederum berichteten von einem Aufschwung dank Infrastrukturarbeiten für große Verkehrsprojekte“, so der Bericht.   

Die Wiederaufnahme der Bauaktivitäten hat allerdings um einiges länger gedauert, als viele es sich gewünscht hätten. Warum?Sicherlich kommt der Pandemie eine große Rolle zu. Doch auch andere Faktoren haben die Verzögerungen bedingt. 

Engpässe sorgen für Kostenbelastungen von katastrophalem Ausmaß 

Laut IHS Markit kam es im Februar zu einer verstärkten Nachfrage sowie Transportverzögerungen und Überlastungen der internationalen Lieferketten, höheren Transportkosten und steigenden Rohstoffpreisen. Dies führte in der gesamten Baubranche zum stärksten Anstieg bei den durchschnittlichen Kostenbelastungen seit Sommer 2008.  

Der Brexit, der von der Regierung als große Chance für Großbritannien angepriesen wurde, das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, hat in den letzten Monaten für viel Kritik gesorgt. Der Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU gilt als potenzieller Grund für den Arbeitskräftemangel in der Baubranche, da sich ausländische Arbeiter dazu entschlossen haben, das Land zu verlassen, oder nach der Rückkehr in die Heimat nicht wiederkommen.  

Außerdem haben unmittelbar nach dem Brexit in Kraft getretene Änderungen der Zollvorschriften die Einfuhr von Baumaterialien und anderen Gütern verlangsamt, da Grenzbeamte es mit neuer Verwaltungsarbeit zu tun hatten, um den Handel zwischen der EU und Großbritannien zu regeln, was den Druck auf die Preise erhöht und den Mangel an Baumaterialien verursacht hat. 

Die jüngste Umfrage von IHS Markit deutet jedoch darauf hin, dass sich die durch den Brexit verursachte Engpasslage großteils beruhigt haben könnte.  

Laut Duncan Brock, Group Director am Chartered Institute of Procurement & Supply, das mit IHS Markit zusammen an der Erfassung von Branchendaten arbeitet, hätten „Supply Chain Managern eine ganze Reihe von kreativen Sourcing-Strategien entwickelt, wozu auch die Beschaffung von lokalen Anbietern gehört.“  

Ein stärkerer Fokus auf lokale Erzeugnisse bei wichtigen Materialien kann für manche eine Lösung darstellen, doch viele Unternehmen in Großbritannien sind noch immer von Lieferungen aus dem Ausland abhängig. 

Eine komplexe Situation 

In einer gemeinsamen Erklärung der Builders Merchants Federation (BMF) und der Construction Products Association (CPA) heißt es, dass die anhaltenden Auswirkungen von COVID-19 zwar für eine Reihe von Engpässen und Preiserhöhungen verantwortlich, aber das Gesamtbild „komplexer“ sei. 

So führt etwa die starke globale Nachfrage nach Stahl zu Engpässen, Auftragsrückständen und erhöhten Preisen bei einem Großteil der Erzeugnisse. Und obwohl Angebot und Nachfrage in den nächsten Monaten wahrscheinlich wieder ins Gleichgewicht kommen werden, „könnte die globale Dynamik die Preise weiter in die Höhe treiben“. 

Die britische Baubranche sollte darauf gefasst sein, dass sich die Preise für Holz in absehbarer Zukunft weiterhin auf hohem Niveau bewegen werden, so die BMF/CPA. Das läge daran, dass die Produktionsmengen in traditionellen Holzanbauländern 2020im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind.In Schweden sank die Produktion von Holz um 7 %, während in Finnland Einbußen von 15 % verzeichnet wurden.  

John Newcomb, Geschäftsführer des BMF und Mitvorsitzender der Brexit-Bewegung für Bauprodukte und -materialien des Construction Leadership Councils, sagte kürzlich, dass die Holzpreise um 20 % gestiegen seien. 

Das ist nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil Holz bei Hausbauern zunehmend beliebter wird. Schließlich gilt das Material als effektive und umweltfreundliche Lösung für die schnelle Bereitstellung von neuem Wohnraum. 

Auch ein Zusammenhang mit dem Einsatz moderner Baumethoden im gesamten Land ist zu erkennen. Obwohl die Baubranche neue Technologien nur relativ langsam einbindet, haben einige Unternehmen Großbritanniens schon von ausländischem Interesse und Investitionen profitiert.  

So hat sich etwa der in Tokio ansässige Wohnungsbaugigant Sekisui House vor zwei Jahren mit 35 % an dem in Manchester sitzenden Hausbauer Urban Splash beteiligt. Laut Yoshihiro Nakai, Präsident des japanischen Unternehmens, ist der Einsatz moderner Methoden beim Bau qualitativ hochwertiger Häuser mit kurzen Fertigstellungszeiten „eine der großen Stärken“ seines Unternehmens. 

Moderne Methoden und Marktkräfte 

Der Einsatz moderner Konstruktionsmethoden und Fabrikbauprogramme wird einen großen Beitrag zur Verbesserung der Qualität und Produktionseffizienz leisten, doch die Hersteller werden auch weiterhin den Marktkräften ausgesetzt sein und damit dem Mangel an Baumaterialien. 

Eine im Januar durchgeführte Umfrage der CPA hat ergeben, dass beinahe ein Viertel (23 %) der Mitglieder, die in der Schwerindustrie, also in den Bereichen Zuschlagstoffe, Zement, Transportbeton, Bau- und Betonstahl, tätig sind, befürchten, dass die Beschaffung der benötigten Baumaterialien im nächsten Jahr für sie das Hauptproblem sein wird. Der Anteil, der diese Befürchtung hat, ist der größte seit der ersten Umfrage der CPA von 2008. 

Auch für die Dachdeckerbranche stellt die Materialbeschaffung ein Problem dar. 

Beinahe die Hälfte (49 %) der Mitgliedsfirmen der National Federation of Roofing Contractors (NFRC) gab an, dass der Mangel an Dachziegeln ihre vorrangige Sorge sei.  

Laut der NFRC habe sich die Verknappung von Baumaterialien auf die Materialpreise ausgewirkt. Drei Viertel (76 %) der Unternehmen berichteten von einem Inflationsdruck im vergangenen Jahr und mehr als zwei Drittel (65 %) der Dachdecker gaben an, dass die Preise im letzten Quartal gestiegen seien. 

Preisveränderungen bei Rohstoffen sind für Bauherren nichts Neues. Doch nur wenige hätten das enorme Ausmaß prognostiziert, das der Preisanstieg im vergangenen Jahr in dem Sektor angenommen hat. 

COVID-19, der Brexit und andere Faktoren haben dem britischen Bausektor im vergangenen Jahr wenig Grund zur Entspannung gegeben. Erst jetzt scheint sich eine Erholung langsam einzustellen. 

Die Branche kann für das kommende Jahr nur auf berechenbarere Bedingungen hoffen.

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