Junger Mann steht in einem Lager voller Baustoffe

Baumaterialien im Überblick: Welche Baustoffe gibt es?

Holz, Beton, Kunststoff und viele weitere Baustoffe finden Sie heutzutage im Handel. Doch was sind Vor- und Nachteile der Baumaterialien? Ein Überblick.
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Was sind Baustoffe? 

Baustoffe sind Materialien, die genutzt werden, um Gebäude oder Bauwerke zu errichten. Traditionelle Baustoffe wie Lehm, Natursteine oder Holz werden bereits seit Jahrtausenden von Menschen verwendet. Heute setzt man zudem auf Massenrohstoffe wie Sand oder Kalk, welche zu Baumaterialien wie Zement, Beton oder Glas weiterverarbeitet werden können. 

Schon gewusst? Ein elementares Baumaterial der Chinesischen Mauer war Reissuppe. Diese wurde dem Mörtel beigemischt. Dank des in Reis enthaltenen Amylopektin haben sich die Steine besonders fest miteinander verbunden. Und auch die Römer experimentierten mit verschiedenen Materialien. Das Kolosseum ist beispielsweise deshalb noch so gut erhalten, weil es aus einer Art „Superbeton“ gebaut wurde. 

Welche Baustoffe gibt es? 

Es gibt organische Baustoffe wie Holz und anorganische Baustoffe wie beispielsweise Kunststoffe. Außerdem unterscheidet man Recycling-Baustoffe und Baustoffe, welche keine recycelten Materialien enthalten. Im Folgenden möchten wir einige Baustoffe genauer vorstellen. 

1. Beton 

Vorteile: gute Wärmespeicherfähigkeit und Schalldämmung; vielseitig einsetzbar 

Nachteile: hoher CO2-Ausstoß; verstärkt Sandknappheit 

Mehrere Treppen aus Beton
Trotz vieler Vorteile wird Beton aufgrund der schlechten CO2-Bilanz zunehmend in kritisch betrachtet. 

Beton zählt zu einem der ältesten Baustoffe. Bereits vor 10.000 Jahren nutzte man in der Türkei Kalkmörtel als Bindemittel. Später wurde Beton vor allem von den Römern weiterentwickelt. Heute weiß man, dass die Herstellung von Beton viel CO2 ausstößt. Angesichts der Klimakrise gilt der Baustoff daher als problematisch. Außerdem trägt die vielfache Verwendung von Beton zur Sandknappheit bei. 

Dennoch ist Beton aufgrund seiner Vielseitigkeit eines der beliebtesten Baumaterialien. Bei Brücken, Tunneln und Hochhäusern wird Beton aufgrund seiner hohen Belastbarkeit bevorzugt eingesetzt. Da Beton nicht brennbar ist, spielt das Baumaterial auch im Brandschutz eine wichtige Rolle. Viele schätzen zudem die gute Schalldämmung durch Beton. 

Schon gewusst? Bluebeam Revu bietet als Software für Betonarbeiten viele praktische Funktionen an. Erfahren Sie im verlinkten Beitrag mehr dazu. 

2. Erde und Lehm 

Vorteile: lokal vorhanden; weniger CO2-Emissionen 

Nachteile: wenige Expert:innen; lange Trockenzeiten 

Mehrere Ziegel aus Lehm
Lehm als natürliches Baumaterial schneidet hinsichtlich Nachhaltigkeit gut ab. 

Um eine Alternative für Beton zu finden, forschen Wissenschaftler:innen beispielsweise an einer neuen Technik, um lokale Erde im 3D-Drucker zu verwenden. Käme diese Technologie großflächig zum Einsatz, könnte die Baubranche ihre Emissionen drastisch senken. Denn: Zum einen ist kein Transport notwendig, wenn man lokale Erde bezieht, zum anderen braucht man keinen riesigen Brennofen, der für die Betonherstellung notwendig ist. Eine Herausforderung für die Forschenden besteht darin, eine Lösung zu finden, die für alle Bodentypen anwendbar ist. Wo und wie Erde außerdem in der Baubranche eingesetzt wird, erfahren Sie in unserem Artikel zum Bauen mit Lehm

3. Holz 

Vorteile: gute Wärmeleitfähigkeit; Schalldämmung; oft nachhaltig und wohngesund 

Nachteile: Holz arbeitet und hat natürliche Feinde (z.B. Holzwürmer) 

Balken und Latten aus Holz
Holz als Baustoff speichert nicht nur Kohlenstoffdioxid, sondern punktet auch mit seiner Recyclingfähigkeit. 

Angesichts des wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit liegt Bauen mit Holz im Trend und ist ein weiterer wichtiger alternativer Baustoff zu Beton. Holz speichert Kohlendioxid und ist ein nachwachsender Rohstoff. Am Ende der Lebensdauer eines Gebäudes kann das Baumaterial recycelt werden. Vorsichtig sollten Sie jedoch bei der Herkunft und der Art des verwendeten Holzes sein. Tropenholz aus weit entfernten Ländern macht die positive Klimabilanz schnell wieder zunichte. Bevorzugen Sie stattdessen Holz aus der Region und achten Sie auf Gütesiegel zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. 

Schon gewusst? Forschende arbeiten an spannenden Projekten zu transparentem Holz und dem sogenannten Superwood, welches trotz seiner Leichtigkeit eine höhere Zugfestigkeit als die meisten Metalle aufweist. 

3. Kunststoffe 

Vorteile: geringes Gewicht; vielseitige Anwendbarkeit 

Nachteile: basiert meist auf endlichen Rohstoffen; kein nachhaltiges Image 

Mehrere Rohre aus Kunststoff
Kunststoffe sind oft langlebige Baumaterialien und weisen eine gute Isolierung auf. 

Kunststoffe im Bauwesen scheinen auf den ersten Blick kein Baustoff der Zukunft zu sein, da Plastik nicht das beste Image hat (Stichwort: Meeresverschmutzung). Dennoch gelten Kunststoffe als wertvolles Baumaterial, da sie leichter als Metalle sind und in vielen Bereichen, zum Beispiel für Rohre, Entwässerungssysteme oder Dachrinnen, eingesetzt werden können. Auch ihre Beständigkeit und ihre isolierenden Eigenschaften sind ein Pluspunkt – insbesondere unter Nachhaltigkeitsaspekten. Wichtig ist jedoch, dass die Kunststoffe nicht mehr aus Erdöl gewonnen und ihre Eigenschaften hinsichtlich des Recyclings verbessert werden. 

Schon gewusst? Recycelter Kunststoff findet beispielsweise in der Straße aus Plastik Anwendung. 

3. Porenbeton 

Vorteile: gute Wärmedämmung; leichtes Material 

Nachteile: geringer Schallschutz; nimmt Wasser auf 

Gzestapelte Mauersteine aus Porenbeton
Der Baustoff Porenbeton bietet sich an, wenn eine gute Wärmedämmung erforderlich ist.

Porenbeton als Massivbaustoff wird beispielsweise bei Mauersteinen oder Fertigbauteilen wie Wand-, Dach- oder Deckenplatten verwendet. Zum Einsatz kommt der Porenbeton beim Mauerwerksbau sowohl im Innen- als auch Außenbereich. Von Vorteil ist dabei die gute Wärmedämmung des Baumaterials. Nachteilig ist jedoch, dass Porenbeton Wasser aufnimmt und keine gute Schalldämmung aufweist. 

Baustoffe nach Verwendung 

Wie oben dargestellt, haben die verschiedenen Baustoffe ihre Vor- und Nachteile. Deshalb kommen unterschiedliche Baumaterialien auch in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz. 

Welche Baustoffe braucht man für den Hausbau? 

Welcher Baustoff für den Hausbau am besten geeignet ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Häufig zum Einsatz kommen Beton oder Backsteine für ein massives Gebäudeskelett, das gut dämmt und brandsicher ist. Außerdem verspricht der Massivbau eine höhere Sicherheit bei Erdbeben. Wesentlich schneller geht der Holzbau vonstatten – sowohl beim Aufrichten als auch beim Austrocknen. Zu den verschiedenen Holzbauweisen gehören Ständerbauweise, die Block- und Strickbauweise und die Holztafelbauweise. 

Übrigens: Interessieren Sie sich dafür, wie Sie Gebäude besonders nachhaltig gestalten können? Dann empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zum klimaneutralen Haus

Was sind Massivbaustoffe? 

Zu den Massivbaustoffen zählen Beton, Porenbeton, Leichtbeton, Lehm, Kalksand, Klinker und Zement. Holz kann sowohl im Massivbau als auch im Leichtbau eingesetzt werden. 

Bau eines Massivhauses mit Mauersteinen
Massive Baustoffe weisen oft eine gute Wärmedämmung sowie eine hohe Brandsicherheit auf.

Der Vorteil von massiven Baustoffen ist die gute Wärmedämmung. Tagsüber erhitzen die Baumaterialien nur langsam und nachts, wenn es kühler ist, geben sie die Wärme direkt wieder ab. Zu den positiven Eigenschaften der Massivbaustoffe gehören außerdem, dass sie langlebig, robust und brandsicher sind. 

Welche Baustoffe nutzt man zur Dämmung? 

Baustoffe, die Sie zur Wärme- und/oder Schalldämmung nutzen können, heißen Dämmstoffe. Für die Fassadendämmung wird beispielsweise oft extrudiertes Polystyrol verwendet. Auch Polyurethan, Mineralwollen wie Stein- und Glaswolle, Schaumglas oder Holzfaser-Dämmstoffe spielen als Baumaterial eine Rolle. 

Welche Baustoffe sind schwer entflammbar? 

Das Brandverhalten von Baustoffen wird in den sogenannten Baustoffklassen (auch Brennstoffklassen genannt) beurteilt. In Klasse A1 beinhalten die Baustoffe keine brennbaren Bestandteile. Dazu gehören beispielsweise Kies, Sand, Beton, Stahl, Zement, Glas, Baukeramik oder Ton. Die schlechteste Kategorie ist B3, zu der leicht entflammbare Baumaterialien wie Stroh, Papier, Pappe oder Schafwolle zählen.

Welche Baustoffe sind besonders nachhaltig? 

Nachhaltige Baustoffe sind beispielsweise Holz, Lehm, Ton, Naturstein, Kork oder Ziegel. Damit Baumaterialien ökologisch sind, müssen sie mehrere Kriterien erfüllen: 

  1. Sie müssen recyclebar sein – dazu ist wichtig, dass sie nicht mit Schadstoffen behandelt wurden. 
  1. Sie sollten regional bezogen werden, um die Emissionen durch den Transport zu senken. 
  1. Sie sollten aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. 
  1. Sie sollten eine lange Lebensdauer aufweisen. 
Nachhaltiger Baustoff Holz beim Hausbau
Holz gilt mitunter als einer der nachhaltigsten Baustoffe für den Hausbau.

Mehr zur Nachhaltigkeit von Baustoffen finden Sie in unseren Ratgebern „Cradle-to-Cradle im Bauwesen“ und „Nachhaltiges Bauen“. 

Was Sie sonst noch über Baustoffe wissen sollten 

Kommen wir von der Auswahl der richtigen Baustoffe zur praktischen Verwendung. Wir erklären, was Sie in der Praxis in Bezug auf Baumaterialien beachten sollten. 

Wie berechne ich die Menge der Baumaterialien richtig? 

Wer von Anfang an die Mengenermittlung richtig durchführt, schont nicht nur den Geldbeutel, sondern oft auch die Umwelt. Hilfreich sind dabei digitale Lösungen wie die Bausoftware Bluebeam Revu. Wie die Mengenermittlung mithilfe des Tools funktioniert, erfahren Sie hier: 

Wie verwalte ich Baumaterialien am besten? 

Am besten notieren Sie sich im Rahmen der Baudokumentation, welche Baustoffe wann in welchen Mengen geliefert wurden. Aufzeichnen sollten Sie außerdem die konkrete Typbezeichnung und Charge. Das hilft im Zweifel bei Reklamationen oder im Schadenfall beim Mängelmanagement – insbesondere, wenn die Baustoffe später nicht mehr sichtbar sind. 

Unser Tipp: Greifen Sie auf Apps für Bauleiter:innen zurück, um den Überblick über die Baustelle und die verwendeten Baustoffe zu behalten. 

Welche Baustoffe bestimmen die Zukunft? 

Die Baustoffe der Zukunft sind nachhaltig – so unsere Einschätzung. Viele Forschende arbeiten daran, CO2-arme Baumaterialien zu entwickeln, die den Ansprüchen an Funktion, Kosten und Handhabung gerecht werden. Auch spielen Technologien wie der 3D-Druck im Bauwesen eine immer größere Rolle. 

Prognosen für die Baustoffe 2022 

Um eine Prognose für die Bauwirtschaft treffen zu können, ist ein Blick auf die Baustoffe sowie deren Preise und Verfügbarkeit unerlässlich. Hier das Wichtigste in Kürze. 

Wie lange bleiben die Lieferengpässe für Baustoffe bestehen? 

Lieferengpässe für Baustoffe bestehen seit Beginn der Pandemie 2020 und werden durch viele verschiedene Krisen immer wieder verstärkt. Die derzeitige Prognose lautet, dass das Baumaterial 2022 weiterhin knapp bleibt (Stand 04/2022). Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel zum Baustoffmangel

Wann werden die Baustoffe wieder günstiger? 

Einhergehend mit Lieferschwierigkeiten und der Inflation sind die Preise für Baustoffe teils rasant gestiegen. Eine Entspannung ist 2022 nicht in Sicht (Stand 04/2022). Mehr zur Preisentwicklung für Baumaterial finden Sie im verlinkten Artikel. 

Fazit: Nachhaltigkeit und Krisen bestimmen den Baustoff-Handel 

Lieferschwierigkeiten und explodierende Preise für Baumaterial haben den Baustoff-Handel in Deutschland und der Welt zuletzt gefordert. Doch in Bezug auf die Baustoffe gibt es auch positive Tendenzen: Nachhaltigkeit als einer der Trends in der Baubranche wird bei den Baustoffen immer wichtiger. Während Beton aufgrund der hohen CO2-Emissionen zunehmend kritisch betrachtet wird, werden natürliche Baumaterialien wie Holz oder Lehm immer beliebter. Gleichzeitig forschen viele Wissenschaftler:innen an neuartigen Materialien. Wir sind gespannt auf die kommenden Entwicklungen. 

Welche Rolle spielen Baustoffe für die Nachhaltigkeit ?

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