Gebäude aus Holz: Bäume werden vermehrt für den Häuserbau genutzt

Sorgen angesichts des Klimawandels und der Wunsch nach nachhaltigeren Gebäuden beschleunigen die Entwicklung hin zu Bauprojekten mit einer geringeren Umweltbelastung. Der zunehmende Einsatz von Holz als Baustoff für Hochhäuser ist Teil dieser Entwicklung.
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Foto von Jannike Reinholdsson

Klimawandel und Nachhaltigkeit stehen bei Architekt:innen, Bauunternehmen und umweltbewussten Kund:innen weit oben auf der Agenda. Es ist daher kaum verwunderlich, dass Holz zurzeit eine Renaissance als Baustoff erlebt.

Die Idee, Gebäude überwiegend aus Holz zu errichten, hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. In einer Zeit, in der es zu den dringendsten Anliegen sowohl der Baubranche als auch der Gesellschaft im Allgemeinen gehört, Umweltauswirkungen durch den Bausektor zu verringern, richten Architekt:innen und Bauunternehmen ihren Fokus auf den Bau nachhaltiger und langlebiger Gebäude.

Ein leistungsstarkes Material

Holz ist in diesem Fall eine naheliegende Wahl. Als natürliches, an vielen Orten verfügbares und erneuerbares Material kann Holz mit bedeutend weniger Energieaufwand zu Rahmen, Balken, Trägern und anderen Bauprodukten verarbeitet werden, als dies bei ähnlichen Elementen aus Beton oder Stahl der Fall ist.

Holzprodukte sind leicht und dennoch robust und lassen sich schnell montieren, sowohl auf der Baustelle als auch bei der Vorfertigung in der Fabrik, bevor sie in komplettiertem oder nahezu komplettiertem Zustand an den Einsatzort geliefert werden. Holz bietet zudem eine gute Wärmedämmung, während Holzwerkstoffe wie Brettsperrholz (Cross-Laminated Timber; CLT) als natürliche Kohlenstoffspeicher wesentlich zum Klimaschutz beitragen können.

Jahrelang erschien es wie ein ambitioniertes Vorhaben, Hochhäuser aus Holz zu errichten. Doch dank technologischer Fortschritte sind Bauprojekte aus Holz inzwischen nicht mehr nur auf Gebäude geringerer Höhen beschränkt.

Den Titel als höchstes Holzgebäude der Welt trägt aktuell der Mjøsa Tower, ein 18-stöckiger, 85,4 m hoher Turm im norwegischen Brumunddal, der Platz für Wohneinheiten, ein Hotel, Büroflächen und ein Schwimmbad bietet.

2.600 m³ an Holzstrukturen sind im Bauwerk verarbeitet, lediglich die Böden der oberen sieben Stockwerke sind zur Stabilisierung des Gebäudes mit Beton verstärkt.

Da hilft es, dass die Fläche Norwegens zu großen Teilen bewaldet ist. Im benachbarten Schweden ist man mit noch reicherem Baumbestand gesegnet: Das Land verfügt über nahezu doppelt so viel Waldfläche (279.800 km²) wie Norwegen und fördert bereits seit einigen Jahren den Bau von hohen Gebäuden aus Holz.

Das Sara Kulturhus

Ein aktuelles und namhaftes Beispiel ist das Sara Kulturhus, das derzeit in Skellefteå entsteht, einer Kleinstadt knapp unterhalb des Polarkreises und 800 km nördlich der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

Etwa 80 Meter ragt das 20-stöckige Sara Kulturhus in die Höhe, für dessen Bau Holz aus den Wäldern um Skellefteå zum Einsatz kommt und das im September diesen Jahres eröffnet werden soll. Nach seiner Fertigstellung wird das Gebäude das Regionaltheater Västerbotten, ein Hotel mit 205 Zimmern sowie ein Konferenzzentrum beherbergen. Dazu kommen das Anna-Nordlander-Museum, die städtische Kunstgalerie und eine öffentliche Bibliothek.

Das in Göteborg ansässige zuständige Architekturbüro White Arkitekter erarbeitete gemeinsam mit dem norwegischen Ingenieurbüro Florian Kosche zwei unterschiedliche Konstruktionssysteme für das Projekt: eines für das kulturelle Zentrum und eines für das Hotel.

Der Hochhausteil des Gebäudes, in dem das Hotel untergebracht ist, besteht aus vorgefertigten CLT-Modulen, die zwischen zwei Aufzugschächten übereinandergestapelt wurden.Der niedrige Gebäudeteil besteht aus einem Holzrahmen mit Stützen und Trägern aus Schichtholz sowie Kernen und Scherwänden aus CLT.

Diese Bauweise, so White Arkitekter, trägt zu einer Umverteilung der Last bei und erhöht die strukturelle Stabilität des Hochhauses.

Effizient und robust

Nach Angaben des Büros wurde der Holzbau so konzipiert, dass er den rauen Witterungsbedingungen in Skellefteå standhält, wo die Temperaturen im Winter bis zu minus 30 Grad Celsius erreichen können, und gleichzeitig energieeffizient ist.

Das Gründach des Gebäudes sorgt für zusätzliche Wärmedämmung, bietet natürlichen Lärmschutz, fördert die Biodiversität und verzögert den Regenwasserabfluss, so das Büro weiter.

Mögliche Einschränkungen im Zusammenhang mit Hochhäusern aus Holz ergeben sich vor allem im Bereich der Sicherheit, insbesondere in Bezug auf den Brandschutz. CLT überzeugt durch eine gute Feuerbeständigkeit und die strikte Einhaltung von Bauvorschriften ist durchweg gewährleistet. Für den Mjøsa Tower kommen Brandschutzsysteme zum Einsatz, mit denen die horizontale und vertikale Ausbreitung eines Feuers kontrolliert werden kann. So soll das Gebäude in der Lage sein, Großbränden standzuhalten.

Dem gegenüber stehen Katastrophen wie der Brand im Londoner Grenfell Tower 2017. Zwar handelt es sich hierbei nicht um ein Holzgebäude, doch das Ausmaß solcher Brände macht unweigerlich klar, dass Hochhäuser aus entzündlichen Materialien besonders strengen Kontrollen unterliegen müssen.

Wie geht es mit dem Baustoff Holz weiter?

Infolge des Grenfell-Feuers, bei dem 72 Menschen ums Leben kamen, verbot die britische Regierung die Verwendung leicht brennbarer Außenverkleidungen bei Wohngebäuden mit mehr als 18 Metern Höhe. Aus nachvollziehbaren Gründen bestehen jedoch weiterhin Sicherheitsbedenken bei Hochhäusern, ob aus Holz oder nicht.

Dennoch ist klar, dass gut konzipierte Holzgebäude wie das Sara Kulturhus, die höchste Anforderungen erfüllen und den Bedürfnissen von Umwelt, Bewohner:innen, Eigentümer:innen und der Gesellschaft im Allgemeinen gerecht werden, eine Zukunft haben.

Die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels zwingen die Baubranche zur Prüfung neuer Ansätze beim Bau von nachhaltigen Gebäuden, die so dringend gebraucht werden. Und dies geschieht alles zu einer Zeit, in der die dafür erforderlichen Ressourcen knapper werden und sorgfältiger denn je eingesetzt werden müssen.

Holz wird zweifellos eine wesentliche Rolle beim Bau von den nachhaltigen und umweltfreundlichen Gebäuden von morgen spielen. Und womöglich wird es dafür auch höchste Zeit.

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