Women in Construction Month 2021: Trotz der steigenden Anzahl an Frauen im Baugewerbe besteht weiterhin Handlungsbedarf

Frauen machen in Großbritannien etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus, in der Baubranche jedoch weniger als ein Fünftel. Mit einem symbolischen Monat wird der Beitrag gewürdigt, den Frauen in der Branche leisten. Das Ziel ist, lang gehegte Vorurteile und überholte Ansichten abzubauen.
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Im März wurden anlässlich des „Women in Construction Month 2021“ Frauen im Baugewerbe gefeiert. Das werden einige zum Anlass nehmen zu fragen: „Warum brauchen wir einen Monat für Frauen im Baugewerbe? Schließlich haben wir auch keinen Monat für Männer im Baugewerbe.“

Solche Aussagen gehen jedoch völlig am Thema vorbei. Sie berücksichtigen nicht das Talent und die Ressourcen, die Frauen von den Baustellen bis in die Vorstandsetagen ins Baugewerbe einbringen. Aufgrund historisch gewachsener kultureller und gesellschaftlicher Einstellungen wurden viele dieser Frauen davon abgehalten, in der Branche in Erscheinung zu treten. 

Die Tatsache, dass wir einen „Women in Construction Month“ brauchen, ist an sich ein Ausdruck von Kritik an dem Ungleichgewicht. Aber gleichzeitig kann diese Initiative in einer Branche, die jahrzehntelang von Männern dominiert wurde, zu mehr Positivität in der Debatte beitragen, das Talenten in der Branche sichtbar machen und die Überwindung alter Einstellungen begünstigen.

Weitere Fortschritte sind erforderlich

Es gibt Anzeichen dafür, dass immer mehr Frauen eine Karriere im Baugewerbe in Betracht ziehen und dass sich die lange Zeit vorherrschende Meinung über Frauen in dieser Branche zum Besseren wandelt, wenn auch nur langsam. Trotzdem muss noch mehr passieren, damit diejenigen, die im Bausektor die Verantwortung tragen, die Gesellschaft besser widerspiegeln, in deren Dienst der Sektor steht. 

Statistiken zu Frauen im Baugewerbe:

Laut der Website Go Construct machen Frauen mehr als ein Drittel (37 %) der Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss in der britischen Baubranche sowie 14 % der Fachkräfte aus. 

Das stimmt zuversichtlich. Aber damit sich Einstellungen langfristig ändern, muss noch viel getan werden.

Ein von Randstad veröffentlichter Bericht von 2020 zeigt, dass von 4.200 befragten Frauen, die im Baugewerbe beschäftigt sind, fast drei Viertel (72 %) 2019 irgendeine Form von Geschlechterdiskriminierung am Arbeitsplatz erlebt haben.

2018 waren es sogar 80 %. Obwohl man von einem Schritt in die richtige Richtung sprechen kann, ist es absolut inakzeptabel, dass ein derart großer Anteil der Frauen im Baugewerbe nach wie vor Diskriminierungen ausgesetzt ist.

Gender-Pay-Gap bleibt ein Problem

Besonders deutlich zeigt sich die Diskriminierung in den Lohnunterschieden. Die britische Regierung verpflichtet Unternehmen zur Offenlegung von Differenzen in der Bezahlung von männlichen und weiblichen Beschäftigten. Dabei schneidet die Baubranche schlecht ab: Die führenden Unternehmen des Landes zahlen Frauen rund ein Drittel weniger Gehalt als ihren männlichen Kollegen.

Dann wäre da noch das Thema Führungspositionen.Die überwiegende Mehrheit der Bauunternehmen wird von Männern geleitet, obwohl man gelegentlich auch auf weibliche Führungskräfte trifft. 

Zu den bekannten Namen zählen Lara Poloni, Präsidentin des Consulting-Unternehmens AECOM; Suzannah Nichol, Leiterin des Gewerbeverbandes Build UK; Ann Bentley, Vorstandsmitglied bei Rider Levett Bucknall; Victoria Hills, CEO des Royal Town Planning Institute; und Zoe Price, COO für den Geschäftsbereich U. K. Construction bei ISG.

Dann wiederum ergab die Randstad-Umfrage, dass zwei Fünftel der Befragten noch nie für eine weibliche Führungskraft gearbeitet haben. Außerdem gaben 15 % der Unternehmen an, noch nie eine Frau in eine leitende Position befördert zu haben.  

Allerdings deutet einiges darauf hin, dass sich mehr Frauen für Führungspositionen im Baugewerbe interessieren. Eine Umfrage, die der Personaldienstleister Hays im Auftrag des Fachmagazins Building durchführte, hat ergeben, dass knapp zwei Drittel (64 %) der befragten Frauen eine leitende Position anstreben im Vergleich zu nur etwas mehr als der Hälfte (54 %) der Männer.

Vielfalt und Gleichberechtigung sind wichtig

Wir alle wissen, dass wir durch die Anerkennung und Förderung von Vielfalt und Gleichberechtigung einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten können. Und das gilt auch für die Geschäftswelt. Aber auch hier zeigen sich unterschiedliche Ansichten. In der Umfrage von Hays/Building waren 54 % der Frauen der Meinung, dass der Bausektor weniger vielfältig als andere sei. Bei den Männern waren es im Vergleich dazu 39 %.

Frauen wie auch Männer wollen durch die eigene Leistung Erfolge erzielen. Positive Diskriminierung ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Befürworter argumentieren, dass sie die Chancen von Minderheiten und von im Auswahlprozess diskriminierten Personen verbessern, während Gegner Bedenken gegen „Quoten“ äußern.

Nur wenige zweifeln daran, dass man im Bausektor einen aufgeklärteren Ansatz verfolgen muss, um die Talente der Branche zu erkennen und angemessen zu würdigen.  

In der Baubranche sind durchaus Fortschritte erkennbar. Aber man wird weiterhin hart daran arbeiten müssen, dass die Branche Menschen anzieht und hält, die unsere Gesellschaft widerspiegeln.

Frauen verändern die Bauindustrie