Eine grünere Zukunft: Reduzierung von Kohlenstoffemissionen im Baugewerbe

Bautätigkeiten verursachen etwa 10 % der weltweiten Kohlenstoffemissionen. Dabei ist ein Großteil auf die Baumaschinen und -geräte zurückzuführen, die auf Baustellen zum Einsatz kommen. Es überrascht daher kaum, dass das Rennen um die Entwicklung von Schwermaschinen begonnen hat, die auf umweltfreundlichere Weise als mit Diesel angetrieben werden können.
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Die Baubranche und das Problem der CO2-Bilanz

Das Baugewerbe ist eine schmutzige Branche. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Sobald der geeignete Standort für ein Bauvorhaben ausgewählt wurde, muss dieser vollständig geräumt werden, um das Grundstück für den Beginn der Bauphase vorzubereiten. Dazu gehören gegebenenfalls der Abriss bestehender Baustrukturen und das Entfernen von Schutt und Material oder das Roden und Entsorgen der Vegetation, um bewachsene Flächen freizumachen.

In jedem Fall müssen nach der Räumung Fundamentgruben ausgehoben, Löcher für Pfähle gebohrt und Tonnen von Erde von einem Ort zum anderen bewegt werden.

Sind diese Aufgaben abgeschlossen, wird als Nächstes das Baumaterial auf die Baustelle gebracht und dort an den richtigen Platz befördert.

All das erfordert jede Menge Planung, Aufwand und nicht zuletzt die richtige Ausrüstung. Der Einsatz riesiger Baumaschinen, von denen die meisten traditionell dieselbetrieben sind, ist in diesem Prozess unvermeidlich.

Reduzierung von Kohlenstoffemissionen im Baugewerbe

Es überrascht daher kaum, dass 10 % der weltweiten Kohlenstoffemissionen, die in die Atmosphäre gelangen, auf die umweltschädlichen Aktivitäten auf Baustellen zurückzuführen sind.

In der Branche werden bereits seit mehr als einem Jahrzehnt Maßnahmen ergriffen, um Umweltbelastungen durch das Baugewerbe zu reduzieren. Im Jahr 2010 veröffentlichte das Chartered Institute of Building (CIOB) einen Bericht mit dem Titel „Carbon: Reducing the footprint of the construction process“. Darin wird das freiwillige Ziel festgelegt, den Kohlenstoffausstoß bis 2012 um 15 % im Vergleich zum Wert von 2008 zu senken.

Der damalige Vorsitzende des britischen Strategic Forum for Construction, Nick Raynsford, sagte bei der Vorstellung des CIOB-Berichts, es sei „großartig zu sehen, wie theoretische Überlegungen in Pläne für praktische Maßnahmen umgesetzt werden, mit denen echte Unternehmen und Organisationen ihren Teil zur Reduzierung unserer nationalen Kohlenstoffemissionen beitragen können“.

Mehr als zehn Jahre später besteht das Kohlenstoffproblem im Bausektor weiterhin. Es lässt sich bereits an wenigen Beispielen aufzeigen, wie oft schwere Erdbaumaschinen mit laufendem Dieselmotor darauf warten, ihre Arbeit in einem anderen Baustellenbereich fortzuführen.

Wie britische Unternehmen Daten nutzen, um umweltfreundlicher zu werden

Nichtsdestotrotz bemüht sich die Baubranche um Besserung. Neben Gewerbeverbänden ergreifen auch einzelne Unternehmen Maßnahmen zur Optimierung ihrer Betriebsabläufe und zur Förderung umweltfreundlicherer Arbeitsmethoden auf der Baustelle.

Ein Beispiel ist das Unternehmen Costain. Im Jahr 2018 gehörte es eigenen Angaben zufolge zu einem der ersten Infrastrukturunternehmen in Großbritannien, das landesweit Standards für die Luftqualität im Zusammenhang mit Maschinenanlagen bei komplexen Projekten einführte.

Costain gibt außerdem an, in den vergangenen 18 Monaten mithilfe von Echtzeit-Telematikdaten die Kohlenstoffemissionen von Baumaschinen noch einmal um bis zu 30 % gesenkt zu haben.

Laut Lara Young, Group Climate Change Director bei Costain, kann auf Grundlage solcher Daten leichter erkannt werden, wo und wie sich die Luftverschmutzung durch weniger Inaktivität und Leerlauf von Baumaschinen verringern lässt.

„Auf diese Weise können Projektteams die Nutzung von Maschinen effektiver planen und Hotspots aufzeigen, erkennen, wo Fahrer:innen sich anders verhalten müssen, und letztendlich Kosteneinsparungen erzielen.“

KI und kohlenstoffarme Technologien

Einige Unternehmen setzen dagegen auf künstliche Intelligenz. HS2, das Unternehmen, das für den zweiten Bauabschnitt einer in England entstehenden Eisenbahnschnellfahrstrecke verantwortlich ist, kündigte im letzten Jahr die Erprobung eines neuen KI-Tools an. Dieses soll nach eigenen Angaben zur Verringerung seines CO2-Fußabdrucks beitragen.

Mit dem Tool, so HS2, könnte der BIM-Prozess automatisiert werden, um verschiedene Entwurfsoptionen mit unterschiedlichen Arten und Mengen von Baumaterialien zu simulieren.

Eine weitere Entwicklung ist die Hinwendung zu elektrisch betriebenen Baumaschinen; ein Trend, der angesichts der gestiegenen Beliebtheit von Elektro- und Hybridautos nur folgerichtig erscheint.

Volvo hat eine Reihe von Elektrobaggern auf den Markt gebracht, die nach Angaben des Unternehmens die gleiche Leistung erbringen wie die Dieselvariante und mit einer einzigen Ladung bis zu acht Stunden lang betrieben werden können. Wenn ein Neustart erforderlich ist, lassen sich die Fahrzeuge innerhalb von nur eineinhalb Stunden bis zu 80 % aufladen. Und: Lästige Dieselabgase gehören der Vergangenheit an.

Ein anderer Hersteller, Wacker Neuson, weiß die Vorteile der emissionsfreien Elektromaschinen ebenfalls zu schätzen und hebt die Kosteneffizienz derartig angetriebener Bagger und Lader hervor, die zudem weniger wartungsintensiv und leiser im Betrieb seien als ihre dieselbetriebenen Gegenstücke.

Warum die Zukunft elektrisch ist

Die Entwicklung saubererer, umweltfreundlicherer Baumaschinen wird vor allem durch die Notwendigkeit vorangetrieben, Kohlenstoffemissionen zu verringern. Kohlenstoffarmes Bauen bietet jedoch noch einen weiteren Vorteil: die Reduzierung von Projektkosten.

Vollelektrische Maschinen lassen sich günstiger betreiben. Elektrische Fahrzeuge verbrauchen im Leerlauf keine Energie, sondern schalten sich aus, wenn sie nicht genutzt werden. Dieselmaschinen dagegen stoßen auch in diesem inaktiven Zustand weiter Abgase und Kohlenstoffemissionen aus, solange Kraftstoff im Tank vorhanden ist.

Klar ist: Mit zunehmendem Druck zur Senkung der Kohlenstoffemissionen bleiben auch in der Baubranche die Reaktionen nicht aus. Der Wettlauf um die Entwicklung und den verstärkten Einsatz umweltfreundlicherer Maschinen auf den Baustellen sowie die Bemühungen um eine Begrenzung oder gar Beseitigung des Kohlenstoffausstoßes in Neubauten sind ein deutliches Zeichen für das Bestreben des Sektors, seine Aktivitäten mit mehr Rücksicht auf die Umwelt durchzuführen.

Wie kann eine kohlenstoffarme Baubranche den Kampf gegen den Klimawandel anführen?